Marrakech - Telouet
Die Autos, die Gluehbirnen, die Schlagloecher im Asphalt, sie alle schlafen tief. Ein wohliges Schnarchen hat sich ueber ganz Marokko gelegt. Ab und zu gaehnt es traege (Erstaunlich, aber anscheinend kann das Schnarchen gaehnen!). Auf einer Strasse jedoch, ungefaehr um 6.30 Uhr fruehmorgens, bewegen sich zwei quietschende Maschinen.
Ihre halbintelligenten Kraftstoffmischungen, die sie oben gelagert halten und die sie fortwaerend mit neuer Energie fuettern, treiben sie an, um langsam die Haenge des Hohen Atlas zu erklimmen.
Es ist herrlich in der Daemmerung zu fahren. Die Luft ist angenehm kuehl und es hat fast keinen Verkehr. Zuerst fuehrt die Strasse durch langsam aufsteigende Taeler in Richtung Westen vorbei an den Gemuesegaerten, die sich entlang des Flusslaufs ausdehnen und aufgeforstetern Pinienwaeldern. Man steigt waehrend dreissig KM Meter um Meter bis man die erste Vorgebirgsstufe ueberwunden hat und eine wunderschoene Aussicht auf die Ebene hat.
Es folgt ein Strassenabschnitt entlang steil abfallender, bewaldeter Gebirgshaenge. Unten im Tal erkennt man kleine Siedlungen aus den typischen roten Backsteinen aus Lehm und Stroh.
Die Route schaengelt sich hin bis zu den hohen Bergketten des hohen Atlas, welche zum Teil bereits eine weisse Kappe aus Schnee tragen. Die Temperatur ist jedoch angenehm (4. November) und die ganze Strecke ist noch frei von Schnee. Ab Ait Barka verlaeuft die Strasse durch ein kurviges Tal, dessen Seiten von Felswaenden verschiedenster Farbtoene von grau ueber rot und weiss bis schwarz begrenzt sind. Das Wetter ist immer noch gut und es hat so gut wie keinen Wind. Das Fahrtempo ist hoch. Gegen ein Uhr machen wir Rast in einem stilvollen Restaurant europaeischen Standards und essen eine Gemuesetajine, da wir unseren Verdauungsapperat schonen muessen (Immer wieder ein bisschen Bauchweh oder fluessigen Stuhlgang). Der Preis fuers Essen ist hoch, aber angemessen. Die Sicht von der Terasse auf die enganliegenden Haeuser entlang der Talwaende ist fenomenal. Die Strecke ist bis Taddert gut asphaltiert. Taddert ist der letzte groessere Ort mit Uebernachtungsmoeglichkeit vor der Passhoehe von 2260m, dem Tizi-n-Tschika. Obwohl wir muede sind, entscheiden wir uns weiterzufahren. In Serpetinen steigt man langsam die Flanken des Berges herauf. Diese Passage wird bald verschneit sein. Auf der abfallenden Seite befinden sich eingeschlagene Stahltraeger, um bei Schnee den Weg zu markieren. Die Kurven und die duenne Luft machen uns Muehe, wir brauchen viele Pausen. Die Konzentration ist sehr wichtig um den Koerper zu kontrollieren und sich so zu verhalten, damit der Koerper nicht ueberlastet wird. Nach dem gefaehrlichen Aufstieg steigt der Berg langsamer an. Wir haben erste Schwindelgefuehle, wir wissen, dass wir so bald als moeglich halten sollten, aber immer noch kein Pass in Sicht.
Mit letzten Kraeften ueberwinden wir die Steigung bis zum Grat und lassen uns vom Velo fallen. Sofort kommen freundliche Berber und helfen uns. Wir wechseln die Kleidung und ziehen uns warm an, waehrend ein Berber Reis mit Tomatensauce zubereitet. Man ruht sich aus, isst und trinkt gierig den warmen Tee, waehrend die Berber unaufhoerlich schwatzen, obwohl man liebend gerne schweigen wuerde und nicht mehr denken moechte.
Es ist fuenf Uhr und es dunkelt bereits ein bisschen. Wir beraten die Rute und beschliessen noch 24KM bis Telouet zurueckzulegen, da wir faelschlicherweise annehmen, dass man bloss bergab zu fahren braucht.
Bis KM 111 stimmt es tatsaechlich auch und wir haben eine atemberaubende Sicht ueber eine roetliche Gebirgskette, die aus einem Winnetoufilm stammen koennte, die sich bis in den Horizont hinzieht. Wir biegen von der Hauptstrasse auf die Nebenstrasse ab, die durch ein Seitental nach Telouet fuehrt.
Nach fuenf KM erreichen wir den Talgrund und fahren entlang des Flusses (Fluss auf arabisch = Oued) durch kleinere Ortschaften. Es daemmert und wird schliesslich dunkel. Da sich keine Uebernachtungsmoeglichkeit bietet, befestigen wir die Positionslichter, Matthias schaltet den Dynamo an und wir fahren weiter. Immer wieder gibt es laengere Steigungen, die uns den letzten Atem kosten. Keine Kraftreserven mehr und duenne Luft, das Tal befindet sich auf 1800m! Wir kommen schnell ausser Atem und es ist nunmehr stockfinster geworden.
Ploetzlich bremst Matthias ab; Eine Bruecke vor uns ist eingestuerzt; Keine Warnsignale, keine Barriere, einfach ein Loch im Dunkel. Wir nehmen Taschenlampen. Matthias inspiziert die Stelle, man denkt, Ueberquerung sei moeglich, man sollte aber die Gepaeckstuecke einzeln hinueber transportieren. Ploetzlich hoeren wir Rufe in der Ferne. Wir warten ab. Zwei eingemummte Gestalten mit Gewehren schaelen sich aus dem Dunkel der Nacht. "Salam! Vous pouvez nous aider?" Zuerst keine Antwort. Als sie schliesslich in gebrochenem Franzoesisch anfangen zu reden, stellt sich heraus, dass sie zwei Jaeger auf dem Wege nach Hause sind. Alle Angst ist total verflogegen... Ach! Eigentlich hatten wir gar keine Angst! Mann, war doch sonnenklar, dass das keine Raeuber sind! Wir sind doch aus haerterem Holz geschnitzt!
Die Jaeger erklaeren uns, dass es eine Umfahrungsstrasse (une route deviee) gibt. Wir danken herzlich und schieben die Velos, bis wir wieder auf die Asphaltstrasse stossen.
Noch fuenf KM. Fuenf Kilometer durch die Nacht und am Rande der Erschoepfung. Trotzdem haben wir den Humor noch nicht verloren und freuen uns ueber jedes Anzeichen von moeglicher Zivilisation oder verfluchen den verdammten Tachometer, der laengsaemer kriecht als eine Schildkroete mit gebrochenen Beinen, die zusaetzlich vier Bleikugeln ziehen muss.
In der Entfernung hoeren wir die Musik eines Festes, wir beginnen zu hoffen.
Telouet. Endlich Telouet. Wir haben all unsere Kraftreserven ausgeschoepft. Wir muessen das Rad die letzten hundert Meter schieben. Sofort wollen uns die Einheimischen zu einem Hotel fuehren, wir beharren aber auf der Adresse, dem Hotel Lion d'Or, die uns vorher ein Autofahrer gegeben hatte. Schliesslich bringt uns ein junger Mann, der, wie man im Gespraech erfaehrt, Ibrahim heisst, zum Hotel. Er sichert sich unterwegs eine Fuehrung durch die Kasbah, die der Familie der Glaoui gehoert hatte und aeusserst sehenswert ist. Der Inhaber des Hotels, Mustafa, ist sehr freundlich und gleitet uns zum Essen in einen behaglichen Raum mit Terasse, wo er uns Kissen und Decken gibt, die wir dankend annehmen. Ibrahim setzt sich zu uns und spendiert uns einen Pfefferminztee (Naa-Naa), anscheinend ist sich das Raubtier seiner Beute noch nicht ganz sicher... Das Essen jedoch ist gut und es gibt auch genuegend um satt zu werden. Muede schleppen wir uns zum Zimmer, Mustafa ist so nett, dass er fast muehsam wird. Die Betten sind nicht sauber und die Toilette sind keine 200DH wert (Schimmel, dreckiger Toilettendeckel, kein warmes Wasser und dreckiges WC-Papier). Aber uns ist das total egal, wir wechseln die Kleidung, putzen die Zaehne und wickeln uns in die Laken. Wir schlafen bald ein, doch es ist ein unruhiger Schlaf voller Alptraeume.
Ihre halbintelligenten Kraftstoffmischungen, die sie oben gelagert halten und die sie fortwaerend mit neuer Energie fuettern, treiben sie an, um langsam die Haenge des Hohen Atlas zu erklimmen.
Es ist herrlich in der Daemmerung zu fahren. Die Luft ist angenehm kuehl und es hat fast keinen Verkehr. Zuerst fuehrt die Strasse durch langsam aufsteigende Taeler in Richtung Westen vorbei an den Gemuesegaerten, die sich entlang des Flusslaufs ausdehnen und aufgeforstetern Pinienwaeldern. Man steigt waehrend dreissig KM Meter um Meter bis man die erste Vorgebirgsstufe ueberwunden hat und eine wunderschoene Aussicht auf die Ebene hat.
Es folgt ein Strassenabschnitt entlang steil abfallender, bewaldeter Gebirgshaenge. Unten im Tal erkennt man kleine Siedlungen aus den typischen roten Backsteinen aus Lehm und Stroh.
Die Route schaengelt sich hin bis zu den hohen Bergketten des hohen Atlas, welche zum Teil bereits eine weisse Kappe aus Schnee tragen. Die Temperatur ist jedoch angenehm (4. November) und die ganze Strecke ist noch frei von Schnee. Ab Ait Barka verlaeuft die Strasse durch ein kurviges Tal, dessen Seiten von Felswaenden verschiedenster Farbtoene von grau ueber rot und weiss bis schwarz begrenzt sind. Das Wetter ist immer noch gut und es hat so gut wie keinen Wind. Das Fahrtempo ist hoch. Gegen ein Uhr machen wir Rast in einem stilvollen Restaurant europaeischen Standards und essen eine Gemuesetajine, da wir unseren Verdauungsapperat schonen muessen (Immer wieder ein bisschen Bauchweh oder fluessigen Stuhlgang). Der Preis fuers Essen ist hoch, aber angemessen. Die Sicht von der Terasse auf die enganliegenden Haeuser entlang der Talwaende ist fenomenal. Die Strecke ist bis Taddert gut asphaltiert. Taddert ist der letzte groessere Ort mit Uebernachtungsmoeglichkeit vor der Passhoehe von 2260m, dem Tizi-n-Tschika. Obwohl wir muede sind, entscheiden wir uns weiterzufahren. In Serpetinen steigt man langsam die Flanken des Berges herauf. Diese Passage wird bald verschneit sein. Auf der abfallenden Seite befinden sich eingeschlagene Stahltraeger, um bei Schnee den Weg zu markieren. Die Kurven und die duenne Luft machen uns Muehe, wir brauchen viele Pausen. Die Konzentration ist sehr wichtig um den Koerper zu kontrollieren und sich so zu verhalten, damit der Koerper nicht ueberlastet wird. Nach dem gefaehrlichen Aufstieg steigt der Berg langsamer an. Wir haben erste Schwindelgefuehle, wir wissen, dass wir so bald als moeglich halten sollten, aber immer noch kein Pass in Sicht.
Mit letzten Kraeften ueberwinden wir die Steigung bis zum Grat und lassen uns vom Velo fallen. Sofort kommen freundliche Berber und helfen uns. Wir wechseln die Kleidung und ziehen uns warm an, waehrend ein Berber Reis mit Tomatensauce zubereitet. Man ruht sich aus, isst und trinkt gierig den warmen Tee, waehrend die Berber unaufhoerlich schwatzen, obwohl man liebend gerne schweigen wuerde und nicht mehr denken moechte.
Es ist fuenf Uhr und es dunkelt bereits ein bisschen. Wir beraten die Rute und beschliessen noch 24KM bis Telouet zurueckzulegen, da wir faelschlicherweise annehmen, dass man bloss bergab zu fahren braucht.
Bis KM 111 stimmt es tatsaechlich auch und wir haben eine atemberaubende Sicht ueber eine roetliche Gebirgskette, die aus einem Winnetoufilm stammen koennte, die sich bis in den Horizont hinzieht. Wir biegen von der Hauptstrasse auf die Nebenstrasse ab, die durch ein Seitental nach Telouet fuehrt.
Nach fuenf KM erreichen wir den Talgrund und fahren entlang des Flusses (Fluss auf arabisch = Oued) durch kleinere Ortschaften. Es daemmert und wird schliesslich dunkel. Da sich keine Uebernachtungsmoeglichkeit bietet, befestigen wir die Positionslichter, Matthias schaltet den Dynamo an und wir fahren weiter. Immer wieder gibt es laengere Steigungen, die uns den letzten Atem kosten. Keine Kraftreserven mehr und duenne Luft, das Tal befindet sich auf 1800m! Wir kommen schnell ausser Atem und es ist nunmehr stockfinster geworden.
Ploetzlich bremst Matthias ab; Eine Bruecke vor uns ist eingestuerzt; Keine Warnsignale, keine Barriere, einfach ein Loch im Dunkel. Wir nehmen Taschenlampen. Matthias inspiziert die Stelle, man denkt, Ueberquerung sei moeglich, man sollte aber die Gepaeckstuecke einzeln hinueber transportieren. Ploetzlich hoeren wir Rufe in der Ferne. Wir warten ab. Zwei eingemummte Gestalten mit Gewehren schaelen sich aus dem Dunkel der Nacht. "Salam! Vous pouvez nous aider?" Zuerst keine Antwort. Als sie schliesslich in gebrochenem Franzoesisch anfangen zu reden, stellt sich heraus, dass sie zwei Jaeger auf dem Wege nach Hause sind. Alle Angst ist total verflogegen... Ach! Eigentlich hatten wir gar keine Angst! Mann, war doch sonnenklar, dass das keine Raeuber sind! Wir sind doch aus haerterem Holz geschnitzt!
Die Jaeger erklaeren uns, dass es eine Umfahrungsstrasse (une route deviee) gibt. Wir danken herzlich und schieben die Velos, bis wir wieder auf die Asphaltstrasse stossen.
Noch fuenf KM. Fuenf Kilometer durch die Nacht und am Rande der Erschoepfung. Trotzdem haben wir den Humor noch nicht verloren und freuen uns ueber jedes Anzeichen von moeglicher Zivilisation oder verfluchen den verdammten Tachometer, der laengsaemer kriecht als eine Schildkroete mit gebrochenen Beinen, die zusaetzlich vier Bleikugeln ziehen muss.
In der Entfernung hoeren wir die Musik eines Festes, wir beginnen zu hoffen.
Telouet. Endlich Telouet. Wir haben all unsere Kraftreserven ausgeschoepft. Wir muessen das Rad die letzten hundert Meter schieben. Sofort wollen uns die Einheimischen zu einem Hotel fuehren, wir beharren aber auf der Adresse, dem Hotel Lion d'Or, die uns vorher ein Autofahrer gegeben hatte. Schliesslich bringt uns ein junger Mann, der, wie man im Gespraech erfaehrt, Ibrahim heisst, zum Hotel. Er sichert sich unterwegs eine Fuehrung durch die Kasbah, die der Familie der Glaoui gehoert hatte und aeusserst sehenswert ist. Der Inhaber des Hotels, Mustafa, ist sehr freundlich und gleitet uns zum Essen in einen behaglichen Raum mit Terasse, wo er uns Kissen und Decken gibt, die wir dankend annehmen. Ibrahim setzt sich zu uns und spendiert uns einen Pfefferminztee (Naa-Naa), anscheinend ist sich das Raubtier seiner Beute noch nicht ganz sicher... Das Essen jedoch ist gut und es gibt auch genuegend um satt zu werden. Muede schleppen wir uns zum Zimmer, Mustafa ist so nett, dass er fast muehsam wird. Die Betten sind nicht sauber und die Toilette sind keine 200DH wert (Schimmel, dreckiger Toilettendeckel, kein warmes Wasser und dreckiges WC-Papier). Aber uns ist das total egal, wir wechseln die Kleidung, putzen die Zaehne und wickeln uns in die Laken. Wir schlafen bald ein, doch es ist ein unruhiger Schlaf voller Alptraeume.

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