16.12.06

Fes - Mulay Idriss

Die Sonne scheint, der Himmel ist blankgeputzt, eine frische Brise weht von Osten, Petrus ist bester Laune!
Wir liegen in unserem Bett im daemmrigen Hotelzimmer. Ab und zu grunzt oder hustet jemand. Keine Lust aufzustehen, keine Kraft sich auf die Toilette zu schleppen, Agonie herrscht vor. Das Bett ist gross, man koennte die eine Seite naessen und auf der anderen Seite weiterschlafen; Solche und andere Gedanken beschaeftigen uns am sonnigen Morgen des 14. Dezember.

Wir packen traege unsere Ausreustung und gehen ins Cafe. Die Sonne belebt uns wieder und der Wind verheisst eine leichte Fahrt. Wir starten gegen 11.30 Uhr und fahren mit dem Velo auf einer sehr verkehrsreichen Strasse aus Fes hinaus. Die morgendliche Traegheit ist einem Gefuehl der Freude und der Leichtigkeit gewichen. Nach 14 Km biegen wir auf eine weniger befahrene Seitenstrasse ab, die von Olivenbaeumen gesaeumt wird. Zuerst steigen wir auf und passieren Huegel mit Olivenhainen. Auf den Feldern spriessen bereits vielversprechende gruene Halme von Weizen, Hirse und anderem Getreide. Anschliessend folgt eine lange Abfahrt, die zum Jubeln reizt. Wir sehen die Auslaeufer des Rif und einen tuerkisblauen Stausee. Die Fahrt bis zum kleinen Ort Nzala ben Amar verlaeuft ohne Zwischenfaelle. In einer Garkueche des Ortes wechseln wir unsere Kleider und essen. Wir beobachten von der Terasse aus, wie versucht wird ein Jeep zu starten, dieser gibt aber nur jaulende Geräusche von sich. Da der Motor nicht anspringt, oeffnet der Fahrer die Motorhaube; Ein kleiner Hund springt heraus und verschwindet mit einem Affentempo um die Ecke...
Nach diesem aussergewoehnlichen Zwischenfall lernen wir noch den Dorfpenner kennen, der uns ein Fleischstückchen vom Teller klaut (Wir wollen ihm eigentlich noch den Rest vom Brot anbieten, aber er rennt schuldbewusst davon...) Ein wenig spaeter wird uns ein alter Peugeot für 3000 Dirham zum Kauf angeboten, was nicht einmal 500 SFr entspricht!
Als wir uns wieder schwitzend auf dem Velo abmuehen und die steile Bergstrasse hinaufkriechen, die nach jeder Haarnadelkurve unbarmherzig weiter ansteigt, bereuen wir das gute Angebot ausgeschlagen zu haben, aber gerechtfertigte Bedenken - wie schmiere ich einen Polizisten, bzw. wie bringe ich das Ding in die Schweiz... zerstreuen unsere Zweifel. Tapfer kaempfen wir uns auf den Pass.
Von der Anhöhe erreichen wir im Nu die Häuser von Mulay Idriss, wo wir uns in ein Cafe setzen. Ich (Matthias) entdecke beim Tee trinken ein Auberge. Lenz geht darauf Erkundigungen einholen (Wichtigster Checkpunkt: Warme Dusche?) Wir beziehen ein Zimmer - will heissen, wir füllen es mit unserem Gepäck - und fahren per Velo nach Volubilis, einer römischen Stadt, die drei Kilometer von Mulay Idriss entfernt liegt.
In Volubilis spazieren wir durch die Ruinen, fragen uns ob die Römer bereits Beton zum Bau ihrer Saeulen verwendeten. Wir schiessen rasch einige Fotos und fahren darauf zurück zu unserer Auberge. Es ist bereits dunkel geworden und wir frieren auf der Rueckfahrt. Nach einer warmen Dusche essen wir in einer kleinen Fritenbude.
Am naechsten Morgen besichtigen wir mit einem Führer die Medina und brechen am Nachmittag nach Meknes auf.