6.12.06

Ifrane

Es gibt Menschen, die immer die Ruhe bewahren, die immer freundlich sind, die man nie krank sieht und die nie fluchen; Man nennt sie Heilige oder Engel.
Wie gerne waere ich eines dieser tollen Wesen! Ich, der ich nie weiss, ob meine Taten irgendetwas Schlaues bewirken werden. Aber dann, dann koennte ich wenigstens jauchzend jeden Tag 100KM fahren und nebenbei ein paar Suessigkeiten an bettelnde Kinder verteilen.

Wir waren gesundheitlich schwer angeschlagen, als wir uns am Morgen von Katy verabschiedeten. Wir komponierten eine wahre Kakophonie des Hustens im Takt zum Schneuzen der Nase (Komisch! Ploetzlich gelber Schleim, vorher war er gruen!). Niemand wollte wirklich an der Spitze fahren und obwohl wir uns nur 49KM vorgenommen hatten und auf der Route Affen zu sehen sein sollten, kam keine echte Freude auf. Als sich vor uns die Landschaft oeffnete und die Sicht auf riesige Zedernwaelder freigab, machten wir nicht einmal ein Foto, sondern sausten lieber gleich weiter.
Den einzigen Affen, den wir sahen, haetten wir fast ueberfahren. Der Affe ueberquerte die Strasse, doch meine Finger (Lenz) waren durch den eisigen Gegenwind zum schnellen Bremsen zu taub und gefuehlslos geworden. Zum Glueck war der Affe schnell genug! Sonst waere sein Fell als Weihnachtsgeschenk in die Schweiz gewandert! Und meins vielleicht ebenfalls!

In Azrou rasteten wir. Wir stellten entsetzt fest, dass uns unsere halsbrecherische Zehnkilometerabfahrt einige Hoehenmeter gekostet hatte und dass wir von Azrou (1250m) bis Ifrane (1650m) vierhundert Meter aufsteigen mussten. Nun folgten 17 KM des Leidens, der Abhaermung und der Schwaeche. Man stellte sich selbst dauernd die Frage, ob Velofahren am Suedpol wohl angenehmer waere. Schliesslich erreichten wir Ifrane, ein kleines Staedtchen, wohin die reichen Marokkaner im Sommer ihre Kinder in die Ferien schicken und im Winter Ski fahren. Die Haeuser erinnern an deutsche Vorstaedte, alles weiss gestrichene Einfamilienhaeuschen mit Giebeldach! Wir nahmen ein Zimmer in einem 3* Hotel mit Heizung und wir sollten unsere Kammer die naechsten zwei Tage auch nicht gross verlassen...
Am naechsten Tag hatten wir beide Kopfweh, Durchfall, Husten und ich (Lieutenant Lenz) hatte zusaetzlich eine leicht erhoehte Koerpertemperatur, sprich Fieber. Wir pflegten uns nach Kraeften. Am 1.12 fuehlten wir uns wieder einigermassen wohl, d. h. wir waren eigentlich noch krank und wir beschlossen dennoch den Bus nach Fes zu nehmen und uns dort ganz auszukurieren, denn in Ifrane waren die Preise sehr hoch und es machte auch generell keinen heimeligen Eindruck... So bestiegen wir nach 3 Stunden Wartezeit einen privaten Bus nach Fes. Schade, dass wir nicht die ganze Linie von M hamid bis Fes mit dem Velo zuruecklegen konnten, aber man soll sich nicht gegen sein Schicksal stemmen und versuchen etwas zu forcieren...
Thats life!