17.11.06

Sahara; Teil eins: Wie alles begann...

Fast eine Woche ist vergangen, seit keine Nachricht mehr von uns die Menscheit erreicht hat. (Was auch keinen wundert, denn die Menschheit interessiert sich einen Dreck um uns, sie denkt die ganze Zeit an ihre Faceliftings und Fettabsaugungen...) Die Zeit ist fuer uns stehengeblieben. Wir lesen die Uhrzeit anhand des Standes der Sonne, gehen beim Eindunkeln schlafen und wissen weder welchen Wochentag wir haben, noch das Datum.

Na ja, auf jeden Fall war es bis vor Kurzem so, ich meine, am Bildschirmrand unten kann ich die Zeit ablesen und auch mein Handys strahlt wieder froehlich vor sich hin...

Es war eine anstrengende Zeit in der Wueste. Tatsaechlich werden wir spaeter sicherlich davon schwaermen, aber das sind wohl die Beschoenigungen der Erinnerung... die man bis zu einem gewissen Volumen so gerne legitimiert, weil sie so suess sind und die Enkelkinder dann staunen werden, was ihr Grossvater doch fuer ein toller Kerl ist (waere).
(Anmerkung der CO-Redaktion; Matthias: ich für meinen Teil habe ein derart schwaches Gedächtnis, dass ich schon jetzt bereit bin davon zu schwärmen- jedenfalls für Bestimmte Teile des Erlebten!)
(Anmerkung des anderen Teils der CO-Redaktion; Lenz: Mattho hat recht. Mann, was fuer Abenteuer haben wir erlebt!!! (Vor allem als ich die Klapperschlange erwuergte und gegen ein verirrtes Lama aus dem Himalaya einen Spuckwettbewerb verlor) Aber auch sonst haben wir sehr schoene Momente erlebt!)



Teil eins:
Eine Reiseagentur zu finden ist nicht schwer. Man setze sich in ein Cafe und alles weitere ergibt sich von selbst. Ein sympathischer Mann setzt sich hinzu. Es wird Tee bestellt, er leiert in makelosem Franzoesisch tiefergehende Einleitungssaetze. Sobald er ins Stocken kommt und wieder groebere Fremdsprache gesprochen wird, weiss man, jetzt kommt die entscheidende Frage: "Habt ihr schon jemanden, mit dem ihr in die Wueste fahrt?"

Leider hatten wir bereits eine vertrauenswuerdig scheinende Adresse von Ibrahim bekommen, so dass wir jeweils nur in den Genuss des Vorspiels kamen, aber den Rest kann man sich denken.
Um 6.30 fuhren wir per Velo in Zagora ab. Nach einer Stunde Fahrt telefonierten wir Said, der uns in spaeter in Tagounite abholen sollte. Die 70KM lange Strecke bewältigten wir trotz Gegenwind mit Bravour. In Tagounite setzten wir uns in ein Cafe und harrten der Dinge die da kommen sollten. Nach einem Moment (dieser Begriff; Moment ist in Afrika dehnbar, hier war es jedoch ein kürzerer Moment) ist dann auch wirklich Said - ein Bruder Ibrahims mit einem kleinen weissen Peugeot (wie man ihn in Europa garantiert nirgends mehr sieht) aufgetaucht, jedoch sogleich wieder verschwunden, um, wie er sagte, Geschäfte zu erledigen. Daraufhin ist er nach einem längeren Moment, in dem wir Zeit gehabt hatten eine Gemüse-Tajine zu geniessen (Gemüse, da insbesondere mein Magen wieder einmal ein Gewitterrumpeln vernehmen liess) wieder aufgetaucht. Bald ist dann auch unser Freund Ibrahim erschienen und hat uns nach endlosen Fragen "ça va bien?'' erklährt, dass wir uns in ''nôtre maison'' gehen würden um dort in aller Ruhe unsere Reise zu besprechen. Es stellte sich heraus, dass ''notre maison'' 20 km südlich von Tagounite liegt und dass wir dorthin am besten mit den Velos gelangen würden. Sie packten dann unsere Siebensachen auf des Peugeot's Dach und liessen uns vorausfahren. Wir gelangten in Höchsttempo bis zu einem Hügelzug, der wie sich später zeigte die Wüste vom Rest Marokkos abtrennt. Mühelos schwangen wir uns darüber hinweg und versuchten dann auf einer Piste dem weissen Peugeot, der uns unterdessen überholt hatte, zu folgen. Als wir endlich einige schwarze Punkte in der Ferne als Zelte erraten konnten, hatten wir das Auto längst aus dem Blick verloren. Bei den Zelten angekommen, wurden wir in ein kleines Zelt - ''notre maison'' - geführt. Dort wurden wir nach einem Moment mit dem omnipräsenten ''Whisky Berbere'' - dem starken The a la mente - bewirtet. Bei den Palavern, die darauf folgten, einigten wir uns auf vier Tage Wüste per Dromadaire (auch uituit - 8x8 genannt) und einem Tag ''gadrgadr'' (4x4 - Geländefahrzeug) und legten den Preis fest 350DH pro Dromedar-Tag und 1300DH für den 4x4-Tag. Wir sind unterdessen zu der Einsicht gekommen, dass das wirklich ein ''bon prix, par ce que vous etes bons amis'' gewesen ist, allerdings war dann auch die Reise in einigen Punkten entsprechend...