17.11.06

Sahara; Teil zwei: Oued und Duenen

Die Wueste darf man sich keines Falles als eine total einsame und zivilisationslose Ebene vorstellen. Jede halbe Stunde faehrt ein Gelaendewagen vorbei, der die Umgebung grosszuegig mit den Hits der arabischen Musikwelt beschallt (oder noch schlimmer, der europaeischen Hitliste!) und hinten eine Ladung Touristen geladen hat, die mit ihren magischen Apparaturen jedes Sandkorn in einen elekronischen Kode verwandeln. Auch die Plastikindustrie hat hier ihre Werbeprodukte verteilt, die beweisen; Plastik haelt ewig!

Am Morgen des 12.11 assen wir gemeinsam mit Ibrahim im Champ des Juifs, waehrend Said und Zeid die Dromedare beluden. Gleich darauf kam ein franzoesisches Paar aus der Wueste zurueck und sie erzaehlten begeistert von ihrer zweitaegigen Reise mit den Dromedaren. Zum Schluss tauschten wir sogar die Adressen aus.

Der erste Tag in der Wueste begann ziemlich spaet gegen elf Uhr. Zuerst fuehrte uns Zeid, unser Fuehrer, durch die Duenen des Champ des Juifs. Danach ueberquerten wir eine kleine Steinwueste, ein Feld bedeckt mit Sand und schwarzem Steinschotter, wie wir noch viele sehen sollten. Zum Anfang hatten wir ziemlichen Respekt vor den Dromedaren.
Es folgt jetzt ein kurzer Exkurs ueber diese bizarren Wesen:

Dromedare (Gattung der Trampeltiere, ausrangiertes Relikt der Dinosaurier, das die Wueste dem langsamen Prozess der Fossilisation gleich vorgezogen hat.)
Die Vierbeiner sind etwa 2.30 m gross und mit einem massigen Rumpf versehen. Auf dem langen Hals befindet sich der imposante Schaedel mit den grossen vorstehenden Augen mit den langen Wimpern, der komischen Nase und dem langen Kiefer, der so stark ist, dass ein Dromedar damit Knochen brechen kann (Was unser Dromedar tatsaechlich bereits getan hat, es brach einem friedlich fressenden Mitdromedar die Beine und verschlang anschliessen dessen Futter...).
Der Hoecker und die langen Beine sind die Kennzeichen des Dromedars. Sie haben keine Hufe, sondern filzartige Sohlen, die sich hervorragend fuer sandige Flaechen eignen. Dromedare legen sich zum Schlafen auf den Boden, weshalb alle Teile, die die Erde beruehren (am Bauch, Knie, Knoechel), durch eine lederartige Haut geschuetzt werden. Zum Schluss ist noch der Schwanz mit den schwarzen Borstenhaaren zu erwaehnen, der dauernd hin und her schwingt um Fliegen zu vertreiben. Ein Dromedar kann 60l trinken und anschliessend etwa eine Woche ohne Wasser auskommen.

Auch die Geraeusche, die die Dromedare hervorbrachten, waren aeusserst ungewohnt und respekteinfloessend. Zeid fuehrte uns zum Oued Naam und wir folgten dem ausgetrockneten, von Tamarisken gesaeumten Flusslauf. Um zwei Uhr schlugen wir unser Lager unter einer grossen Tamariske auf. Zuerst legten wir Teppiche und Matten aus, dann wurde Gruentee mit viel Zucker aufgesetzt, denn so ist es Tradition bei den Nomaden.
Nachher stellten wir das Kochzelt auf und machten es uns bequem. Zeid machte einen Salat aus Tomaten, Zwiebeln, Gurken, Peperoni und scharf gewuerztem Fisch aus der Konservendose.
Wir mussten noch Wasser holen und ich (Lenz) beschloss mitzugehen und zwar auf dem Dromedar reitend. Als ich auf das Dromedar stieg, stellte ich mir einen ruhigen Wasserlauf vor, in welchem das Wasser plaetschert und ganz ruhig fliesst und fliesst. Es wirkte, ich war wirklich verhaeltnismaessig entspannt als sich das Dromedar mit abgehackten Bewegungen aufrichtete. Einmal oben ist es ein tolles Gefuehl. Ganz entspannt reitet sich ein Dromedar am besten. Der Oberkoerper wippt im Takt der Schritte nach vorne und das Gesaess macht wellenartige Bewegungen. Um dem Dromedar zu helfen schaukelte ich mit den Fuessen und glich dadurch das Gewicht aus. Der Versuch aber das Dromedar zu lenken, scheiterte klaeglich. Diese Viecher sind extrem stur und sehr eigenwillig. Sie machen nur, was sie wollen. Zum Glueck lief mein Dromedar zufaellig in die richtige Richtung...
Nachdem wir Wasser geholt hatten, es dauerte ungefaehr eine Stunde und Mattho schien sich auf dem Teppichlager bereits wie Zuhause zu fuehlen, bereitete Zeid das Abendessen vor (Tajine). Es war sehr schoen am Feuer zu sitzen, die kuehle Nacht zu geniessen und ab und zu ein paar Worte zu wechseln. Der Himmel blankgewischt, ohne Wolken und die Sterne wie glitzernde Diamanten, zum Greifen nahe.
Man erkannte sogar den Planetennebel der Milchstrasse (Es koennte auch das Abgas eines Flugzeuges gewesen sein, in Sachen Astronomie bin ich eine Null, aber es sah jedenfalls ganz niedlich aus!). Zeid legte sich zum Schlafen ins Zelt, waehrend wir unsere Schlafsaecke unter dem funkelnden Firmament ausrollten und uns fest in unsere Decken und Kleidern einmummten.

Der zweite Tag war wesentlich anstrengender. Wir legten wieder etwa 15 KM zurueck, aber der Weg durch die Steinwueste erschoepfte uns voellig. Zwar machten wir eine Rast, doch nuetzte dies nicht viel. Wir sahen sogar unsere erste Fatamorgana, das Alpamare von Pfaeffikon!!! Nein, wir sahen einen See, der durch das Flimmern der Luft entstand. Gegen halb fuenf erreichten wir den Lagerplatz, der in den Auslaeufern einiger hoher Sandduenen lag. Die Wueste ist wie ein grosser Sandkasten, man kann gar nicht anders, als damit spielen zu wollen. Wir tollten so richtig im Sand rum. Schwimmen, absaufen, verdursten, ach es gibt so vieles, was man ausprobieren kann!!
Nachher meldeten wir uns freiwillig zum Wasser holen, da ueberall Sand an uns klebte und wir unbedingt duschen wollten. Zeid zeigte uns den Weg zum Brunnen, wo wir uns gegenseitig mit Wasser uebergossen, doch der Sand war nicht vollstaendig abzuwaschen. Es war bereits dunkel, als wir uns mit den gefuellten Wasserbehaeltern zum Lagerplatz aufmachten. Schnell merkten wir, dass man in der Wueste ohne Licht und GPS verloren ist. Wir schlugen eine ungefaehre Route ein, doch bald fuerchteten wir uns zu verlaufen. So begannen wir, Zeid, zu rufen. Tatsaechlich blinkte wenig spaeter in der Ferne eine Taschenlampe und wir waren unglaublich erleichtert, als wir das Zelt schliesslich erreichten. Zum Abendessen gab es Spagetthi, die wir mit Heisshunger vernichteten. Es wurde schnell extrem kalt und wir kleideten uns in Thermowaesche, bevor wir uns in die Schlafsaecke wickelten. Obwohl wir zusaetzliche Decken hatten, fror ich (Lenz). Die Nacht war wieder so klar wie die letzte.

1 Comments:

Blogger halodidi said...

Lieber Matthias, lieber Lenz,
wir sind sehr beeindruckt von Eurem Abenteuer: Von Didi erfuhren wir Euren Reisebericht. Alles Gute weiterhin!
Renate und Willi

19:20  

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