3.12.06

Midelt - Ifrane

Internetcafes in Marokko sind kuriose Orte. Meist weist ein kleines Schild mit der Aufschrift “Cyber” den Touristen auf deren Existenz hin, da sich die Internetcafes oft im ersten Stock befinden. Man betritt den Saal und setzt sich auf einen Stuhl mit kaputter Lehne. Der bereits recht in Mitleidenschaft geratene Computer befindet sich auf einem dieser adretten Bureautischchen mit Sichtschranken aus Plastik, die ein unueberzeugendes Mahagonimuster ziert. Ein laechelnder junger Mann legt ein Zettelchen mit der Startzeit auf die Ablage, laechelnd, weil man zahlt, waehrend jener mit seinem Kumpel gratis den Nachbarcomputer benutzt... Alles ist gemuetlich, die Musik, die Stuckdecke mit den orientalischen Ornamenten, die Uhr, deren Stundenzeiger stuendlich per Hand umgedreht wird, vom Minutenzeiger ganz zu schweigen. Alles ist perfekt; Der Nachbar rechts schaut sich gerade eine Pornoseite an.

Die Internetcafes begleiten uns, seit wir in Tanger angekommen sind. Wir haben viel Zeit zum Schreiben und Kommunizieren verbraucht und deshalb wollte ich (Lenz) an dieser Stelle eine kleine Widmung anbringen und habe ein kleines Bild des Cyber in Midelt gezeichnet.

Wir verliessen Midelt, als die Sonne bereits an Staerke gewonnen hatte und beeilten uns ein bisschen, um die Ebene bis zur naechsten Gebirgskette zuegig hinter uns zu bringen. Kurz vor Zeida hatte Matthias seinen vierten Platten. Da er einen Schlauch in Rich repariert hatte, hatten wir zum Glueck wieder ausreichend Reserveschlaeuche und das Problem war schnell behoben. Der wechselnde Wind trieb uns fast in die Verzweiflung. Grade Strecken, die langsam anstiegen, waren die Schlimmsten. Beim Mittagessen machten wir die Bekanntschaft mit einem wirklich gelehrten Marokkaner, mit welchem wir uns ueber Politik und Lebensweise austauschten.

Am Nachmittag arbeiteten wir uns bergauf bis zum Col du Zad (2178m). Die Strecke fuehrte ein wunderschoenes Tal mit Zedern entlang und drehte man sich um, so hatte man ein herrliches Panorama mit den verschneiten Gipfel des hohen Atlas im Hintergrund. Auf dem Kamm wechselten wir die Kleidung und radelten in einem von Matthias bestimmten Moerdertempo in Richtung Timadithe. Nach 20KM war der Heisskopf am Ende und der zaehere Esel musste den maroden Velozug uebernehmen. Beim Eindunkeln erreichten wir endlich Timadithe. Im Dorf stellten wir entsetzt fest, dass es keine Schlafmoeglichkeit gab. Aber wie ein Wunder sprach uns eine Amerikanerin an, die, wie wir staunend feststellten, berberisch sprach! Zuerst versuchte sie uns eine Schlafstelle zu vermitteln, doch angesichts der totalen Misslage die in Timadithe bezueglich Hotels herrscht, lud sie uns schliesslich zu sich nach Hause ein. Katy war wirklich nett und ueberliess uns zum Schlafen ihr ganzes Haus, waehrend sie zu einer Familie ging. Sie arbeitet als Helferin mit einheimischen Frauen zusammen und versucht eine Kooperative zu gruenden, die deren Produkte vertreibt. Wir machten es uns in ihrem Salon gemuetlich. Mit Musik aus ihrem I-Pod und einem Feuerchen im kleinen Ofen schliefen wir behaglich ein.