6.12.06

Oh Fes!

Wir erreichten Fes am 1. Dezember an einem wunderschoenen Herbsttag. Die Stadtmauern der Medina und die mit weissen Graebern ueberzogenen Friedhofshuegel von Fes leuchteten uns richtig entgegen. Wir staunten, ob der Groesse und des Reichtums der Koenigsstadt. Wir bezogen ein grosszuegiges Zimmer (zwei riesige Federbetten, die nur an wenigen Stellen einigermassen bequem waren...) im Hotel Royal in der Nouvelle Ville de Fes (160DH). Die Reise hatte Kraft und Konzentration gekostet, weshalb wir sehr ermuedet waren und an diesem Abend nicht mehr viel unternahmen (Fettes Hamburgeressen und Internetbesuch...).

Am naechsten Tag hatten wir eine Besichtigungstour mit Fuehrer organisiert und Abdellah erschien zunaechst mit einer halben Stunde Verspaetung um 10.30 Uhr. Er fuehrte uns zuerst in einen Dattelsuq in Fes-el-Bali, wo wir ihn mit unseren spitzigen Fragen auf die Palme brachten (Tatsaechlich bildeten sich erste Schweisstropfen, als wir ihn ueber Palmenkrankheiten und Dattelsorten ausquetschten!). Wir brachten soviel in Erfahrung, dass wir schliesslich die beste Sorte der Datteln die "Namenlosen" (weil namenlos gut...) zu probieren verlangten. Aus einer versteckten, unscheinbaren Schachtel kamen zuckersuesse feigengrosse Datteln zum Vorschein, die 140DH pro Kilo kosten (20.-)! Anschliessend schleppte Abdellah uns zu einer Oelpresse, wo er ob der Fragerei bloss den Kopf schuettelte. Der folgende Spaziergang durch die Medina verlief deshalb ohne weitere Gespraeche. Nach einer Weile gab ich (Lenz) Matthias zu verstehen, dass ich mich nicht wohl fuehlte und zum Hotel zurueck fahren wuerde.
Ab diesem Punkt muss unsere Zeit in Fes getrennt berichtet werden, denn es beginnt sozusagen eine neue Zeitrechnung:

Version 1
Hier wird von Lenz berichtet, wie er krank war. Es wird sein zaeher Kampf gegen die Grippe beschrieben und anschliessend wird die Geschichte seiner totalen Gesundung erzaehlt.

Meine Geschichte ist rasch erzaehlt: Ich nahm also in der Medina ein Taxi, das mich direkt zum Hotel brachte und legte mich ins Bett. Mein Kopf fuehlte sich an wie eine zerdrueckte Coladose, mein Unterleib wie gekochte Karotten, die man in kalter Dipsauce vergessen hat, nur mein Oberleib war abgesehen vom Magenbereich einigermassen in Ordnung. Gesundheit in Prozent 15%. Um sechs Uhr kam Matthias ins Hotel und kaufte mir Zwieback, Joguhrt, Aepfel, Bananen und Wasser. Nachher war ich wieder alleine. Ich konnte nicht richtig einschlafen, denn es plagten mich wilde Fieberphantasien. Meine Fantasie benutzte frech auch den vernuenftigen Teil meines Gehirnes und ich musste mir ununterbrochen Dinge vorstellen oder nachdenken. Um halb zwoelf Uhr kam Mattho wieder zurueck. In dieser Nacht musste ich immer wieder auf die Toilette...
Am 3. fuehlte ich mich keineswegs besser, aber Matthias machte Tee und Suppe fuer mich, die schnell Wirkung zeigten. Dank der Thermosflasche Tee und der guten Zeitung fuehlte ich mich abends viel wohler. Ich kochte mir selbst eine Suppe zum Abendessen und schlief die Nacht durch.

Super! Ich war wieder einigermassen bei Kraeften. Ich fuehlte mich unertraeglich dreckig und wusch meine Kleider gruendlich. Sobald ich die Kleider gewechselt hatte, war ich wieder ein ganzer Kerl und zur Feier des Tages assen wir bei Mac Donalds zu Mittag. Anschliessend suchten wir eine Reihe Hotels auf, da wir uns ein bisschen Luxus goennen wollten, doch da alle Hotels, die in unserem Fuehrer empfohlen wurden, beschlossen hatten die Preiskategorie zu wechseln, fanden wir kein angemessenes Etablissement. Wir besichtigten das Voelkerkundemuseum Batha und spazierten, bis es eindunkelte.
Ende der Version 1, weiter geht es unten.


Version 2
Hier wird von Matthias erzaehlt, wie er grosse Entdeckungen machte und fuer grosse Ueberraschung sorgte.

Wenn Matthias irgendwann einmal Zeit hat (denn das kann dauern...), wird er vielleicht einmal diese Version fertig schreiben............
Matthias wird gezwungen Zeit zu haben und so erreicht die lang ersehnte zweite Version die staunende Welt:
Nachdem Lenz ins Taxi und damit aus unserem Gesichtskreis entschwunden war, stürzten wir (Abdellah und meine Wenigkeit) uns ins Getümmel der Medina. In den nächsten paar Stunden hatte ich neben der Besichtigung der Medina die Ehre sämtlichen "Cooperatives" von Fes von innen zu besichtigen, wo ich wie immer herzlich Empfangen und zum Einkaufen aufgefordert wurde... Eine Aufforderung, der ich - zumal ich noch einige Geschenkergänzungen im Kopf hatte - zu einem gewissen Teil nachgekommen bin... Einige meiner Errungenschaften bleiben bis zu einem späteren Zeitpunkt noch geheim - Geschenkzwecke!... Einen Teil möchte ich aber der Welt zum Bestaunen präsentieren: Ein wunderschönes und den Beteuerungen Abdellahs zufolge hochqualitatives (versilbertes) Teegeschirr - Teekrug, Tablett und Gläser... Beim "Herboriste" ein Öl, das in kleinen Dosen wirkungsvoll gegen unseren chronischen Husten sein sollte und eine getrocknete Tee-Mischung. Und - man höre und staune - zwei kleinere, einfache aber wunderschöne Nomaden-Teppiche (von denen ich in der Schweiz einen weiterzuverkaufen hoffe..). Abgesehen von diesen Einkäufen, haben wir die Färbereien von oben besichtigt; eine der 260 Moscheen von Fes von aussen bestaunt; über die Evolution des Menschen und die Zivilisation im Allgemeinen philosophiert, die Stadtgründung von Fes durchgenommen und sonst noch einige charmante Entdeckungen ausgetauscht... Später wurde ich dann auch noch bei Abdellah zuhause zum Nachtessen eingeladen, was ich jedoch dankend ablehnte, da ich total erschöpft war und gerne mit Lenz essen wollte oder zumindest schauen wie es ihm geht...

Am 5. Dezember schliefen wir bis elf Uhr morgens. Anschliessend kauften wir uns in einer Baeckerei einen Berg Croissants und Kuchen und setzten uns in ein Cafe. Wir besuchten ein Internetcafe und wollten darauf in ein Hammam gehen. Die Suche gestaltete sich jedoch komplizierter als zuerst gedacht, da die Taxifahrer Duschanstalten mit Hammams verwechselten (Bloederweise bemerkte ich (Lenz) den Unterschied erst, als ich bereits in Unterhosen im Nassbereich stand...), wir mehrmals die Hammamuntensilien im Hotel vergassen und der echte Hammam in der Medina erst um 21.00 oeffnete...
Schliesslich gingen wir nach dem Abendessen in der Medina in einen oeffentlichen Hammam. Die Raeumlichkeiten waren traditionell ausgebaut und wir erlebten den echten Hammam der kleinen Leute... Es war mit Abstand der schoenste Hammam unserer Reise, auch wenn wir fast an einem Hitzeschlag gestorben waeren...
Am naechsten Tag bastelten wir uns Rucksaecke, verstauten die Velos und das restliche Gepaeck und verliessen das Hotel Royal um fuenf Tage in den Bergen von Taza zu verbringen und zu wandern. Wir fanden den Bus nach Taza auf Anhieb. Die Pseudofahrkarte des Privatbusses kostete 30 DH pro Person.

1 Comments:

Blogger CHIC-HANDSOME said...

lifejust good

14:24  

Kommentar veröffentlichen

<< Home