24.12.06

Bslama und à la prochaine, l'afrique!

Es ist wirklich unglaublich! Ich schreibe auf einer mitteleuropäischen Tastatur - und komme kaum voran, da ich ständig daran bin einzelne Buchstaben zu korrigieren! Nun ja, wir sind vorgestern um Fünf Uhr nachmittags heimgekommen - knapp 24 Stunden später als geplant...

In Rabat sind wir am 19.12 morgens um halb sechs Uhr aufgestanden, haben die Velos bepackt und sind durch die schlafende Stadt zum CTM-Busbahnof gefahren. Dort haben wir uns im Café niedergelassen und im Halbschlaf gewartet. Die Fahrt nach Tanger verlief ereignislos - insbesondere da wir die Strecke nun schon kannten... Dort angekommen, setzten wir uns wieder einmal in ein Café, telefonierten unserer "Lokalen Kontaktperson" - Ahmed, ein Bekannter von Ibrahim von Agdez, der Lenz' Teppiche in Aufbewahrung genommen hatte. Dieser verabredete sich mit uns und tauchte dann in einem Luxus-BMW mit vier Freunden am Treffpunkt auf. Der ganze Auftritt machte auf uns einen etwas maffia-mässigen Eindruck... Er hiess uns im Café warten (45 min) und kam dann nach knapp zwei Stunden wieder zurück. Wir verschafften uns -dem Rat Ibrahims folgend- eine Wohnung, wo wir problemlos unsere Siebensachen in aller Ruhe für die Heimreise packen konnten. Wir konnten sie erst um fünf Uhr beziehen und mussten uns bis dahin irgendwie beschäftigen. So suchten wir uns per Taxi -die Velos liessen wir bei "unserem" Ahmed- eine Wäscherei, um unsere tüchtig vor sich hin stinkende Wäsche waschen zu lassen. Nach einigem Hin und Her wurde uns versprochen, dass wir die Wäsche am nächsten Tag um Mittag holen kommen könnten. Danach spielten wir stundenlang Billard (was uns inklusive Tee 24 DH kostete). Schliesslich fuhren wir per Taxi zurück und bezogen unsere mit Sattelitenfernsehen versehene aber etwas muffige Wohnung. Wir verbrachten den Abend mit verschiedenen Aktivitäten wie zum Beispiel Fernsehen, Packen und meinerseits (Matthias) einem Strandspaziergang und Cyber-Besuch, wo ich einige Gedanken schriftlich festhalten wollte -sie sind dann dank meinem gedankentrunkenen Zustand leider verlorengegangen...
Am Morgen des 19. haben wir zuerst mit Eifer unsere Velos geputzt um einen Vorgeschmack schweizerischer Sauberkeit zu bekommen, gemütlich aufgepackt und die Velos bei Ahmed deponiert. Dann sind wir voller Vorfreude zur Wäscherei gefahren, wurden jedoch mit der Mitteilung enttäuscht, sie seien noch nicht fertig, worauf wir mit Mienen, die bei Nichteinhalten böses ahnen liessen, darauf beharrten, dass wir um vier Uhr kommen würden um die Wäsche zu holen. Danach führten wir uns ein ausgibiges Frühstück aus der nahen Pâtisserie zu Gemüte um bald darauf eine echte Holzofen Pizza essen zu gehen. Die Wäsche konnten wir dann nach einigem Warten fein säuberlich in Plastickbeutel verpackt. (Ein bischen seltsahm war es schon die mit Löchern versehenen billig-Socken, die noch vor Kurzem bestialisch gestunken haben, auf diese Weise behandelt zu sehen...) Danach holten wir die Velos und fuhren zum Hafen. Lenz ging die Kartons, die wir in einem Hotel in Aufbewahrung gegeben hatten, holen. Darauf verstauten wir die Velos in den Kartons, verklebten und verschnürten das Ganze und auf gings zum Behörden-Hürdenlauf... Unversehrt an Grenzpolizei, Röntgenapparat und noch einmal fünffacher Passkontrolle beim Betreten des Fährenrampe vorbeigekommen, deponierten wir erst einmal unser auf dem Schiff unbenötigtes Gepäck. Darauf wurden wir nicht wie auf der Hinreise in die fünfte Etage geschickt, wo wir die zweite Qualitätsklasse Pullmansessel besichtigten. Wir entdeckten dann bald, dass alle, die keine Kabine gebucht hatten sich im wesentlich komfortableren Filmsaal niedergelassen hatten, worauf wir uns auch dorthin verschoben.
Unsere Überfahrt verlief anfangs wie die Hinreise, mit dem Unterschied, dass man auf Deck aufgrund der kühlen Temperatur mehr oder weniger alleine war. Jedoch wurde schon relativ bald einmal bemerkbar, dass man beim Gehen nicht immer gleichviel Kraft aufwenden musste: Ab und zu konnte man ohne Anstrengung drei Treppenstufen hochhüpfen worauf man sich zwei Sekunden später wieder sehr schwerfällig fühlte und kaum vom Fleck kam. Das war aber eigentlich noch kein Problem und schon gar nicht ein Grund zur Aufregung. Als dann zwischen für uns belanglosen Mitteilungen über die Lautsprecher der Kapitän sich meldete und von "Conditions meteorologiques pas favorables" und sich für alfällige Unpässlichkeiten entschuldigte, fragten sich warscheinlich langsam alle auf dem Schiff anwesenden, was uns wohl erwarten würde. Lenz fühlte sich spätestens am Nachmittag des zweiten Tages an Bord nicht besonders wohl und zog sich nach dem Nachtessen bald wieder aus der Cafeteria in seinen Sessel zurück. So vollendete ich gemütlich meine Malzeit und liess mich auch nicht aus der Ruhe bringen als sich die Wellen plötzlich von der Seite an das Schiff warfen. Die Suppe war leergegessen, also konnte nichts passieren... Am Nachbarstisch war einem Familienvater, der auch in unserem Filmsaal wohnte, die Suppenschale entglitten und der Inhalt hatte sich auf dem Boden verteilt. Jemand vom Service nahm die Sauce mit einem feuchten Wedel auf und brachte eine neue Schale, worauf diese nur knapp demselben Schicksahl entkahm. Sich vom Schreck langsahm erholend machte sich der arme Mensch daran seine Suppe zu essen, als er sich plötzlich durch höhere Macht mit dem Stuhl in Bewegung setzte und zum Angriff in meine Richtung ansetzte. Er war knapp zu bremsen (hatte zum Glück die Suppenschale auf dem Tisch stehen gelassen) und fuhr mit der nächsten Welle wieder zurück an seinen Tisch. Darauf wiederholte sich das Ganze noch einmal unter dem allgemeinen Gelächter der Umsitzenden. Einige Personen liessen sich zwar von der Fröhlichkeit nicht anstecken, da sie selber zu sehr mit ihrer Suppe oder den Wasserflaschen oder den eigenen Stühlen am kämpfen hatten. Ich konnte darauf die Cafeteria heil verlassen (auch wenn es mich stehend auch einige Meter in die falsche Richtung verschlagen hat -warscheinlich ähnlich wie surfen..). Einige Minuten später konnte man bis in den Filmsaal einen Höllenlärm aus der Cafeteria vernehmen. Als ich darauf mit der Kamera bewaffnet nachschauen ging bot sich mir ein göttliches Bild der Ordnung: Sämtliche unbesetzten Stühle befanden sich nur noch auf einer Seite des Raumes.
(Jemand der im Restaurant für die "Classe Confort" essen wollte, erzählte mir am folgenden Tag, dass das Nachtessen nicht hätte serviert werden können. Da im Restaurant immer etwas später als in der Cafeteria gegessen wurde, waren die Wellen zu dieser Zeit schon zu stark! (Da fühlt man sich als billig-Reisender doch super! ;-) Nun, ich hatte sehr gut geschlafen, und erfuhr erst am nächsten Tag nach und nach, dass wir über Nacht einen stärkeren Sturm -jedenfalls für Mittelmeerverhältnisse- erlebt hatten und warscheinlich einige Verspätung haben würden, da wir immer dem Wind hatten entgegenfahren müssen und so einen grossen Umweg gefahren waren. Von etwa drei Stunden nahm die Verspätung, die der Kapitän uns voraussagte immer mehr zu, bis es hiess wir würden statt morgens um sieben, abends um sieben in Sète sein. Die Wellen beruhigten sich im Laufe des Morgens und das Service-Personal machte sich daran die durch rückwärtsessende Passagiere verunstalteten, übelriechenden und ebenso aussehenden Toiletten zu reinigen. In der Cafeteria waren bald alle Stühle an ihrem Platz. Nur die sehr lebendige Ordnung im Duty-Free Shop und einige zugeschlossenen Türen nach aussen zeugten von einer wilden Nacht... Man langweilte sich tödlich während den zusätzlichen Stunden, die noch an Bord zu verbringen waren und sehnte eine Abwechslung herbei, die jedoch ausblieb-mit Ausnahme der zusätzlichen Malzeiten.
Als man schon aufgegeben hatte zu hoffen, kam die Durchsage, dass man in dreissig Minuten den Hafen von Sète erreichen würde. Worauf auf dem ganzen Schiff Hektik ausbrach, da jeder so schnell wie möglich zu seinem Fahrzeug gelangen wollte. (Gepackt hatte man schliesslich schon morgens um sechs Uhr!...) Erst als wir im Hafen einfuhren, gingen wir unser Monster-Gepäck in der "Consigne" holen und mussten auch dann noch etwa eine halbe Stunde warten, bis die ersten Fahrzeuge draussen waren und wir ebenfalls endlich Land betreten konnten.