1.2.07

Spenden für SOS-Kinderdorf Marokko!

Ich gebe zu, es hat etwas gedauert, aber was lange währt wird endlich gut! Die Informationen für unsere Sponsoren:

Lenz und ich haben in Marokko aus eigener Kraft (Bus und Taxi sind zwar auch anstrengend, zählen aber nicht!!) 1502 Kilometer zurückgelegt. Viele, die uns etwas versprochen haben werden jetzt dankbar aufschnaufen... Unsere Schätzung lag einiges Höher. Aber wir wollten von Anfang an keinen Marathon leisten, sondern auch etwas lernen und dieser Wunsch wurde uns wirklich erfüllt!

Deshalb möchte ich euch - die Spendenden und alle anderen ebenso dazu auffordern nicht nur darüber nachzudenken, "wie viel Spenden verträgt mein Budget?" Sondern lasst euch die Sinne öffnen für eine Welt jenseits unserer klar abgegrenzter Welt. Und lasst in euch die Fähigkeit wachsen eure eigene Welt immer wieder in Frage zu stellen! Das ist meiner Meinung nach wichtiger als jede Spende!!!

Damit möchte ich aber auf keinen Fall sagen; "Ihr sollt nicht spenden", denn es gibt viele Menschen, die Hilfe nötig haben, um eine Chance zum Leben zu haben. In diesem Sinn möchte ich euch dazu auffordern den Betrag, den Ihr euch mit eurerm Kilometerbetrag und unseren Kilometern (1502) ausrechnen könnt auf das Spendenkonto (am besten über E-Banking) zu überweisen.
Das Spendenkonto: 296-427353.40H

Falls Fragen offen sind, oder Wünsche und Anregungen; bitte meldet euch! mattho[at]bluewin.ch oder lenz.baumann[at]hispeed.ch

Effizient Spenden im Allgemeinen
Ich habe eine Woche lang bei IMIS als Mitgliederwerber auf der Strasse für Pro-Natura gearbeitet. Es gibt auch noch die Corris, Wesser und Partner und einige mehr dieser PR-Agenturen, die eigentlich alle sehr ähnlich arbeiten... Sie sind zwar die grössten Einnahmequellen der gemeinnützigen Organisationen und von daher eine gute Sache. Es gibt nur einen Haken!
Im ersten Spendenjahr bekommt die Auftragsorganisation (bei mir wars Pro-Natura) ca. 5% deiner Spende! Der Rest geht an die PR-Agentur und den Werber auf der Strasse! Im zweiten Jahr sind es dann ca. 35% und ab dem fünften Jahr -wenn du so lange dabei bist- geht dein Jahresbeitrag endlich vollumfänglich an die Organisation...
Wenn du spenden möchtest, so such dir zB. im Internet eine Organisation, die an etwas arbeitet, das du unterstützen möchtest (und die das ZEVO-Gütesiegel trägt!), und meldest dich dort als Jahresmitglied (Bezahlung mit Einzahlungsschein über E-Banking!) Auf allen anderen Wegen geht meiner Meinung nach einfach zu viel an die Post/Bank/Werber/Agentur verloren...!

23.1.07

Heimkehr auf Umwegen...

Unsere erste Begegnung zurück in Europa war diejenige mit dem französischen Zollpolizisten. Die zweite war die mit dem französischen Drogenhund, der zu unserem Glück nicht weiter an uns interessiert war. (Ein Tipp an alle die ins weitere Ausland mit Velo oder ähnlichem verreisen: lasst euch den Gegenstand bei der Ausreise in den Pass eintragen, damit keine Probleme bei der Einreise entstehen!!) Wir wurden dann etwas unsanft aus der Zollbarakke gedrängt und holperten mit unseren Karton-Wägeli mühsam durch die Strassen Sète's. Am Bahnhof suchten wir nach einer Fahrmöglichkeit richtung Schweiz, mussten aber feststellen dass erst um 22.30 ein Nachtzug nach Strassbourg fahren würde. So musste dringend etwas essbares her - die ersten Schinkensandwiches seit zwei Monaten! Wir froren sogar im geheizten Wartesaal und mussten feststellen, dass man ohne Euromünz nicht auf die Toilette kann! So ungemütlich wir es auch fanden, waren wir doch irgendwie froh um die Anzeichen von Heimat und gewohntem... Als dann der Zug kam konnten wir ohne grössere Probleme die Kartons ins Veloabteil stellen und lösten bei den freundlichen Kontrolleuren Tickets, die soviel gekostet haben wie Essen, Schlafen und Reisen in Marokko für eine knappe Woche! Im Ruhesessel konnten wir sogar einige Stunden schlafen und erwachten erst wieder im Bahnhof Mulhouse. Wo wir im Halbschlaf feststellten, dass es eine gute Idee gewesen wäre auszusteigen... So fuhren wir jedoch bis Strassbourg um dort zu erfahren, dass das Zugsystem wegen dem Weihnachtsstreik der Gewerkschaft beinahe lahmlag. Zweieinhalb Stunden später konnten wir einen Zug nach Mulhouse zurück nehmen und stiegen dann dort um nach Basel (ca. 4.5Stunden nachdem wir am Morgen dort vorbeigekommen waren...) in Basel wurden wir vom Zollbeamten auf schwiizerdütsch begrüsst, was irgendwie gewöhnungsbedürftig war. Dann verabschiedeten wir uns im Stadelhofen um zurück in unsere geordnete Welt - nach Hause zu kommen...



....unser Geist aber begab sich auf eine lange Reise....

24.12.06

Bslama und à la prochaine, l'afrique!

Es ist wirklich unglaublich! Ich schreibe auf einer mitteleuropäischen Tastatur - und komme kaum voran, da ich ständig daran bin einzelne Buchstaben zu korrigieren! Nun ja, wir sind vorgestern um Fünf Uhr nachmittags heimgekommen - knapp 24 Stunden später als geplant...

In Rabat sind wir am 19.12 morgens um halb sechs Uhr aufgestanden, haben die Velos bepackt und sind durch die schlafende Stadt zum CTM-Busbahnof gefahren. Dort haben wir uns im Café niedergelassen und im Halbschlaf gewartet. Die Fahrt nach Tanger verlief ereignislos - insbesondere da wir die Strecke nun schon kannten... Dort angekommen, setzten wir uns wieder einmal in ein Café, telefonierten unserer "Lokalen Kontaktperson" - Ahmed, ein Bekannter von Ibrahim von Agdez, der Lenz' Teppiche in Aufbewahrung genommen hatte. Dieser verabredete sich mit uns und tauchte dann in einem Luxus-BMW mit vier Freunden am Treffpunkt auf. Der ganze Auftritt machte auf uns einen etwas maffia-mässigen Eindruck... Er hiess uns im Café warten (45 min) und kam dann nach knapp zwei Stunden wieder zurück. Wir verschafften uns -dem Rat Ibrahims folgend- eine Wohnung, wo wir problemlos unsere Siebensachen in aller Ruhe für die Heimreise packen konnten. Wir konnten sie erst um fünf Uhr beziehen und mussten uns bis dahin irgendwie beschäftigen. So suchten wir uns per Taxi -die Velos liessen wir bei "unserem" Ahmed- eine Wäscherei, um unsere tüchtig vor sich hin stinkende Wäsche waschen zu lassen. Nach einigem Hin und Her wurde uns versprochen, dass wir die Wäsche am nächsten Tag um Mittag holen kommen könnten. Danach spielten wir stundenlang Billard (was uns inklusive Tee 24 DH kostete). Schliesslich fuhren wir per Taxi zurück und bezogen unsere mit Sattelitenfernsehen versehene aber etwas muffige Wohnung. Wir verbrachten den Abend mit verschiedenen Aktivitäten wie zum Beispiel Fernsehen, Packen und meinerseits (Matthias) einem Strandspaziergang und Cyber-Besuch, wo ich einige Gedanken schriftlich festhalten wollte -sie sind dann dank meinem gedankentrunkenen Zustand leider verlorengegangen...
Am Morgen des 19. haben wir zuerst mit Eifer unsere Velos geputzt um einen Vorgeschmack schweizerischer Sauberkeit zu bekommen, gemütlich aufgepackt und die Velos bei Ahmed deponiert. Dann sind wir voller Vorfreude zur Wäscherei gefahren, wurden jedoch mit der Mitteilung enttäuscht, sie seien noch nicht fertig, worauf wir mit Mienen, die bei Nichteinhalten böses ahnen liessen, darauf beharrten, dass wir um vier Uhr kommen würden um die Wäsche zu holen. Danach führten wir uns ein ausgibiges Frühstück aus der nahen Pâtisserie zu Gemüte um bald darauf eine echte Holzofen Pizza essen zu gehen. Die Wäsche konnten wir dann nach einigem Warten fein säuberlich in Plastickbeutel verpackt. (Ein bischen seltsahm war es schon die mit Löchern versehenen billig-Socken, die noch vor Kurzem bestialisch gestunken haben, auf diese Weise behandelt zu sehen...) Danach holten wir die Velos und fuhren zum Hafen. Lenz ging die Kartons, die wir in einem Hotel in Aufbewahrung gegeben hatten, holen. Darauf verstauten wir die Velos in den Kartons, verklebten und verschnürten das Ganze und auf gings zum Behörden-Hürdenlauf... Unversehrt an Grenzpolizei, Röntgenapparat und noch einmal fünffacher Passkontrolle beim Betreten des Fährenrampe vorbeigekommen, deponierten wir erst einmal unser auf dem Schiff unbenötigtes Gepäck. Darauf wurden wir nicht wie auf der Hinreise in die fünfte Etage geschickt, wo wir die zweite Qualitätsklasse Pullmansessel besichtigten. Wir entdeckten dann bald, dass alle, die keine Kabine gebucht hatten sich im wesentlich komfortableren Filmsaal niedergelassen hatten, worauf wir uns auch dorthin verschoben.
Unsere Überfahrt verlief anfangs wie die Hinreise, mit dem Unterschied, dass man auf Deck aufgrund der kühlen Temperatur mehr oder weniger alleine war. Jedoch wurde schon relativ bald einmal bemerkbar, dass man beim Gehen nicht immer gleichviel Kraft aufwenden musste: Ab und zu konnte man ohne Anstrengung drei Treppenstufen hochhüpfen worauf man sich zwei Sekunden später wieder sehr schwerfällig fühlte und kaum vom Fleck kam. Das war aber eigentlich noch kein Problem und schon gar nicht ein Grund zur Aufregung. Als dann zwischen für uns belanglosen Mitteilungen über die Lautsprecher der Kapitän sich meldete und von "Conditions meteorologiques pas favorables" und sich für alfällige Unpässlichkeiten entschuldigte, fragten sich warscheinlich langsam alle auf dem Schiff anwesenden, was uns wohl erwarten würde. Lenz fühlte sich spätestens am Nachmittag des zweiten Tages an Bord nicht besonders wohl und zog sich nach dem Nachtessen bald wieder aus der Cafeteria in seinen Sessel zurück. So vollendete ich gemütlich meine Malzeit und liess mich auch nicht aus der Ruhe bringen als sich die Wellen plötzlich von der Seite an das Schiff warfen. Die Suppe war leergegessen, also konnte nichts passieren... Am Nachbarstisch war einem Familienvater, der auch in unserem Filmsaal wohnte, die Suppenschale entglitten und der Inhalt hatte sich auf dem Boden verteilt. Jemand vom Service nahm die Sauce mit einem feuchten Wedel auf und brachte eine neue Schale, worauf diese nur knapp demselben Schicksahl entkahm. Sich vom Schreck langsahm erholend machte sich der arme Mensch daran seine Suppe zu essen, als er sich plötzlich durch höhere Macht mit dem Stuhl in Bewegung setzte und zum Angriff in meine Richtung ansetzte. Er war knapp zu bremsen (hatte zum Glück die Suppenschale auf dem Tisch stehen gelassen) und fuhr mit der nächsten Welle wieder zurück an seinen Tisch. Darauf wiederholte sich das Ganze noch einmal unter dem allgemeinen Gelächter der Umsitzenden. Einige Personen liessen sich zwar von der Fröhlichkeit nicht anstecken, da sie selber zu sehr mit ihrer Suppe oder den Wasserflaschen oder den eigenen Stühlen am kämpfen hatten. Ich konnte darauf die Cafeteria heil verlassen (auch wenn es mich stehend auch einige Meter in die falsche Richtung verschlagen hat -warscheinlich ähnlich wie surfen..). Einige Minuten später konnte man bis in den Filmsaal einen Höllenlärm aus der Cafeteria vernehmen. Als ich darauf mit der Kamera bewaffnet nachschauen ging bot sich mir ein göttliches Bild der Ordnung: Sämtliche unbesetzten Stühle befanden sich nur noch auf einer Seite des Raumes.
(Jemand der im Restaurant für die "Classe Confort" essen wollte, erzählte mir am folgenden Tag, dass das Nachtessen nicht hätte serviert werden können. Da im Restaurant immer etwas später als in der Cafeteria gegessen wurde, waren die Wellen zu dieser Zeit schon zu stark! (Da fühlt man sich als billig-Reisender doch super! ;-) Nun, ich hatte sehr gut geschlafen, und erfuhr erst am nächsten Tag nach und nach, dass wir über Nacht einen stärkeren Sturm -jedenfalls für Mittelmeerverhältnisse- erlebt hatten und warscheinlich einige Verspätung haben würden, da wir immer dem Wind hatten entgegenfahren müssen und so einen grossen Umweg gefahren waren. Von etwa drei Stunden nahm die Verspätung, die der Kapitän uns voraussagte immer mehr zu, bis es hiess wir würden statt morgens um sieben, abends um sieben in Sète sein. Die Wellen beruhigten sich im Laufe des Morgens und das Service-Personal machte sich daran die durch rückwärtsessende Passagiere verunstalteten, übelriechenden und ebenso aussehenden Toiletten zu reinigen. In der Cafeteria waren bald alle Stühle an ihrem Platz. Nur die sehr lebendige Ordnung im Duty-Free Shop und einige zugeschlossenen Türen nach aussen zeugten von einer wilden Nacht... Man langweilte sich tödlich während den zusätzlichen Stunden, die noch an Bord zu verbringen waren und sehnte eine Abwechslung herbei, die jedoch ausblieb-mit Ausnahme der zusätzlichen Malzeiten.
Als man schon aufgegeben hatte zu hoffen, kam die Durchsage, dass man in dreissig Minuten den Hafen von Sète erreichen würde. Worauf auf dem ganzen Schiff Hektik ausbrach, da jeder so schnell wie möglich zu seinem Fahrzeug gelangen wollte. (Gepackt hatte man schliesslich schon morgens um sechs Uhr!...) Erst als wir im Hafen einfuhren, gingen wir unser Monster-Gepäck in der "Consigne" holen und mussten auch dann noch etwa eine halbe Stunde warten, bis die ersten Fahrzeuge draussen waren und wir ebenfalls endlich Land betreten konnten.

17.12.06

1702 Marsmenschchen

Langsam wird eine gewisse Ermuedung spuerbar. Mag es daran liegen, dass Weihnachten naht, sei es dass wir nun uebervolle Koepfe und wir die neuen Erfahrungen zuerst verarbeiten muessen, bevor wir wieder zu vollkommen fremden Orten aufbrechen koennen.

Wir blieben einen halben Tag in Meknes, doch nach einem kurzen Bummel in der Medina und der Besichtigung der Mederesa Bouinania, die verglichen zur Koranschule in Marrakesch eher klein war, strichen wir weitere kulturelle Unternehmungen und setzten uns in ein Cafe. Wir lasen saemtliche Zeitungen, quatschten ein wenig. Um sieben Uhr fuhren wir mit der staatlichen Buslinie CTM nach Rabat. Dunkle Landschaften passierten die Busfenster, Aussentemperatur 7 Grad Celsius. Die Fahrt verlief ruhig, nur einmal bewarf eine Gruppe Jugendlicher den Bus mit Steinen, worauf Matthias einen kleineren Gehoerschaden erlitt, der erst nach einigen Minuten wieder verschwand.
Als wir in Rabat ankamen, fanden wir dank unserem vorhergehenden Aufenthalt in dieser Stadt das Hotel ohne Probleme. Der Portier kannte uns tatsaechlich auch noch und wir fuehlten uns wie Zuhause.

Am naechsten Morgen schliefen wir bis 11.00 Uhr. Der Gestank von muffigen Socken und stinkenden Abtrocknungstuechern weckte uns unfreundlich. Verzweifelt versuchten wir eine Waschmoeglichkeit mit Trocknern zu finden, doch da Sonntag war und wir ebenfalls nur wenig motiviert waren eine Loesung des Problems zu finden, blieb die Waesche schmutzig.
Vorrat an frischer Kleidung in Prozent:

Matthias: - 100%
Recycling von gebrauchter Waesche und Neukaeufe retteten bisher die prekaere Situation
Lenz: 10%
Seine pinglige Haltung gegenueber dreckiger Waesche musste aufgegeben werden, nachdem die anderen 90% der Kleider zwar gewaschen wurden, aber nie richtig trocknen konnten, wobei sich ein hartnaeckiger Modergeruch produzierte.

Den Nachmittag verbrachten wir in der Graeberstadt, die sich im Norden von Rabat erstreckt und Chellah genannt wird. Wir spazierten durch die herrlichen wilden Gaerten und schauten den Stoerchen in ihren Nestern beim Schnabelklappern zu. Die tolle Umgebung wurde zum fotografischen Studienobjekt und reizte zu Erkundungstouren auf abgesperrtem Gebiet.

Gegen 18.00 Uhr wanderten wir zurueck nach Rabat und assen in einem sehr guten kleinen Restaurant unweit unseres Hotels. Anschliessend besuchten wir ein Internetcafe. Das Hotelzimmer war muffig, doch schliesslich ueberwaeltigte uns der Schlaf dennoch...

16.12.06

Moulay Idriss - Meknes

Das Tagesfährtchen nach Meknes wuerde velofahrenden Pauschaltouristen gerecht: Sonnenschein, gleichmässiger Rückenwind und ebene Landschaft...

Nun ja, jedenfalls bis vor der Stadt: Lastwagenkolonnen, die uns langsam überholen und uns dabei auspuffmässig die Knochen wärmen, lassen die letzten Kilometer zur Qual werden. Wir erreichen das Zentrum aber zum Glueck wohlbehalten und suchen zu Fuss das Hotel Continental. Nach einstündiger Suche entdecken wir das Hotel auf der anderen Strassenseite unseres Ausgangspunktes...
Wir beziehen das Zimmer (141DH) und gehen nach einer wohligen Dusche essen. Mangels besserer Einfaelle sagen wir im Taxi: "Mac Donalds" Dort angekommen finden wir eine ausser Kontrolle geratene Kinderhorde vor, die Geburtstag feiert. Wir decken uns reichlich mit Nahrung ein und unterhalten uns nach dem Essen mit drei Nicht-mehr-Studenten ohne Arbeit. Ein sehr intensives Gespräch entspinnt sich: Arabische Welt und westliche Welt...
Danach begeben wir uns für zwei Stunden in ein Cyber und finden anschliessend in unserem Zimmer wohlige Nachtruhe.

Fes - Mulay Idriss

Die Sonne scheint, der Himmel ist blankgeputzt, eine frische Brise weht von Osten, Petrus ist bester Laune!
Wir liegen in unserem Bett im daemmrigen Hotelzimmer. Ab und zu grunzt oder hustet jemand. Keine Lust aufzustehen, keine Kraft sich auf die Toilette zu schleppen, Agonie herrscht vor. Das Bett ist gross, man koennte die eine Seite naessen und auf der anderen Seite weiterschlafen; Solche und andere Gedanken beschaeftigen uns am sonnigen Morgen des 14. Dezember.

Wir packen traege unsere Ausreustung und gehen ins Cafe. Die Sonne belebt uns wieder und der Wind verheisst eine leichte Fahrt. Wir starten gegen 11.30 Uhr und fahren mit dem Velo auf einer sehr verkehrsreichen Strasse aus Fes hinaus. Die morgendliche Traegheit ist einem Gefuehl der Freude und der Leichtigkeit gewichen. Nach 14 Km biegen wir auf eine weniger befahrene Seitenstrasse ab, die von Olivenbaeumen gesaeumt wird. Zuerst steigen wir auf und passieren Huegel mit Olivenhainen. Auf den Feldern spriessen bereits vielversprechende gruene Halme von Weizen, Hirse und anderem Getreide. Anschliessend folgt eine lange Abfahrt, die zum Jubeln reizt. Wir sehen die Auslaeufer des Rif und einen tuerkisblauen Stausee. Die Fahrt bis zum kleinen Ort Nzala ben Amar verlaeuft ohne Zwischenfaelle. In einer Garkueche des Ortes wechseln wir unsere Kleider und essen. Wir beobachten von der Terasse aus, wie versucht wird ein Jeep zu starten, dieser gibt aber nur jaulende Geräusche von sich. Da der Motor nicht anspringt, oeffnet der Fahrer die Motorhaube; Ein kleiner Hund springt heraus und verschwindet mit einem Affentempo um die Ecke...
Nach diesem aussergewoehnlichen Zwischenfall lernen wir noch den Dorfpenner kennen, der uns ein Fleischstückchen vom Teller klaut (Wir wollen ihm eigentlich noch den Rest vom Brot anbieten, aber er rennt schuldbewusst davon...) Ein wenig spaeter wird uns ein alter Peugeot für 3000 Dirham zum Kauf angeboten, was nicht einmal 500 SFr entspricht!
Als wir uns wieder schwitzend auf dem Velo abmuehen und die steile Bergstrasse hinaufkriechen, die nach jeder Haarnadelkurve unbarmherzig weiter ansteigt, bereuen wir das gute Angebot ausgeschlagen zu haben, aber gerechtfertigte Bedenken - wie schmiere ich einen Polizisten, bzw. wie bringe ich das Ding in die Schweiz... zerstreuen unsere Zweifel. Tapfer kaempfen wir uns auf den Pass.
Von der Anhöhe erreichen wir im Nu die Häuser von Mulay Idriss, wo wir uns in ein Cafe setzen. Ich (Matthias) entdecke beim Tee trinken ein Auberge. Lenz geht darauf Erkundigungen einholen (Wichtigster Checkpunkt: Warme Dusche?) Wir beziehen ein Zimmer - will heissen, wir füllen es mit unserem Gepäck - und fahren per Velo nach Volubilis, einer römischen Stadt, die drei Kilometer von Mulay Idriss entfernt liegt.
In Volubilis spazieren wir durch die Ruinen, fragen uns ob die Römer bereits Beton zum Bau ihrer Saeulen verwendeten. Wir schiessen rasch einige Fotos und fahren darauf zurück zu unserer Auberge. Es ist bereits dunkel geworden und wir frieren auf der Rueckfahrt. Nach einer warmen Dusche essen wir in einer kleinen Fritenbude.
Am naechsten Morgen besichtigen wir mit einem Führer die Medina und brechen am Nachmittag nach Meknes auf.

13.12.06

Immer noch in Fes

Ja, es ist wirklich so: Wir halten uns immer noch in dieser Königsstadt Marokko's auf! Bei den mehrmaligen Medina-Besichtigungen haben sich unsere Orientierungs-Fähigkeiten multipliziert. Wir haben einen mehrstündigen Spaziergang, auf dem uns zwei Jungs als Führer über eine halbe Stunde verfolgt haben, problemlos überlebt und trotz ihrer Hartnäckigkeit haben sie schliesslich, ohne einen Dirham erbettelt zu haben, von uns abgelassen! Wir haben uns bezüglich Spenden naemlich einige Regeln angeeignet: Wir spenden jedem Erwachsenen Bettler, der halbwegs unaufdringlich bettelt, einen Dirham (oder manchmal aus Versehen auch fünf...), aber Kinder bekommen von uns nichts und zwar aus dem guten Grund, da es sonst leicht geschehen kann, dass ein Kind mit Betteln mehr verdient als dessen hart arbeitender Vater! Der Wertezerfall, der daraus folgt, ist nur eine Sache der Logik...

In der Medina hat sich Lenz nach einstündigem harten Feilschen vier Holzdöslein gekauft. Es folgen nun einige Feilsch-Tipps:

Eins; Man nehme eine Ewigkeit Zeit und addiere anschliessend eine weitere Stunde - das ist die Zeit, die man braucht um ernsthafte Preisreduktionen zu erhalten!

Zwei; Es sollte im Gespräch immer der Eindruck herrschen, man bekunde zwar einen Hauch von Interesse, wolle aber eigentlich gar nichts kaufen.

Drei; Man zaehlt mit ernsthafter Miene alle Gründe auf (auch die Absurdesten!), die den Preis der Ware vermindern koennten und beharrt darauf (Egal ob der Verkaeufer den Eindruck bekommt, er habe es mit einem Idioten zu tun! Je genervter er ist, umso schneller geht er mit dem Preis runter! Also spielen Sie grosszuegig den Idioten, es lohnt sich!).

Vier; Wenn der Preis direkt besprochen wird, sollte man behaupten, man wolle eine grosse Stueckzahl kaufen, da der Verkaeufer bei grosser Anfrage oft unverhaeltnismaessig mehr Preisnachlass vergibt. Sobald eine Summe genannt wird, rechne man laut den Preis pro Stueck vor. Darauf bekundet man ploetzliche Zweifel, ob der grossen Menge (wegen irgendetwas!). Der Verkaeufer wird darauf nervoes nachfragen! Nach bekundeten Zweifeln, ob der Menge und einigem Zoegern erhaelt man die kleinere Stueckzahl zum gleichen Rabat, wie fuer einen Grosseinkauf! Ganz wichtig: Man zockt das Gegenueber niemals ab! Der Verkäufer wird seine Ware sicherlich nicht unter einem Preis verkaufen, an welchem er nicht selbst etwas verdient, er will absichtlich den Eindruck eines Abgezockten vermitteln!

Unsere Gewohnheiten in dieser Stadt haben allmählich die Formen eines geregelten Alltages angenommen, der nur durch kleinere Abweichungen - wie zum Beispiel unserem gestrigen Abendessen im chinesischen Restaurant - unterscheidbar bleibt... Unser Alltag beinhaltet einige wenige Aufenthaltsorte: Zuerst einmal unser Hotel, wo wir unsere nächtliche Ruhe (ab ca. 23.00 Uhr) finden; Unsere Patisserie, wo wir unser Frühstück einkaufen; Unser Café, wo wir die eingekauften Croissants und Kuchen mit frischgepresstem Orangensaft und Kaffe oder Tee geniessen, waehrend wir den Fassadenmalern bei der Arbeit zuschauen (Die Arbeit dieser Menschen - ungesichert auf einem drei Meter langen Brett, das an zwei Seilen oben am Balkongeländer befestigt ist und per Flaschenzug per Hand hinabgelassen wird - an einer siebenstöckigen Fassade zu malen, stimmt uns doch sehr nachdenklich...); Unser Stamm-Cyber (wo wir inzwischen 10-Stunden Abos gekauft haben...); Besuche des Mac Donalds, der zu unserer geheimen Freude auch hier zu finden ist... (Zu unserer Entschuldigung sei gesagt, dass es bei weitem der einzige Ort ist, der in unserer Preisklasse liegt und geheizt ist!...); Sandwich Venezia, wo man - nicht sehr venezianisch! - Hamburger und Pommes (sehr gut, sehr fettig und sehr billig!) konsumiert; Unsere Pizzeria und zu guter letzt noch der Hammam Sidi Azouz in der Medina... Wir geben unser Bestes, um uns wieder an die westliche Welt zu akklimatisieren... Nein - der Grund für unsere Wahl des Essen ist eine gewisse Saettigung bezueglich marokkanischem Essen, was wir jedoch bald wieder aendern werden, da wir morgen nach Meknes fahren werden... Je nach Wetter (heute herrscht Zürich-Wetter!) werden wir morgen mit dem Velo oder mit dem Bus nach Meknes reisen...

12.12.06

Wieder in Fes

Am 10. Dezember kamen wir wieder in Fes an. Durch Zufall trafen wir im Mc Donalds Katy aus Timadithe. Anscheinend stand sie jetzt im Dorf im Ruf einer schlechten Gastgeberin, die ihren Gaesten nicht ausreichend zu essen gibt, da uns einige Dorfbewohner beobachtet hatten, wie wir nachher tatsaechlich ein zweites Fruehstueck eingenommen hatten (Dabei hatten wir extra zuerst ein paar Kilometer zurueckgelegt!)!
Wir quartierten uns wieder im Hotel Royal ein, wo wir unser Gepaeck eingelagert hatten.
Die naechsten beiden Tag verliefen in geregelten Bahnen; Gemuetliches Fruehstueck in einer Bar, Internet, Mittagessen, Besuch der Medina, Abendessen um 20.00.

9.12.06

Taza



Taza liegt zwischen Guercif und Fes und ist eine Garnisonsstadt mit 176 000 Einwohnern. Die Stadt liegt landschaftlich sehr reizvoll an einem Auslaeufer des Djabal Tazzekka (1980m) und nur selten verirren sich Touristen in diese Region. Taza teilt sich auf in die Neustadt (Bas-Taza) und die alte Medina mit ihren Befestigungsanlagen (Haut-Taza), die etwas erhoeht an der Flanke eines Huegels liegt. Die Medina mit ihren meist gelb oder weiss gestrichenen verwinkelten Strassenzuegen ist wirklich sehenswert. Gewisse halb verfallene Teile der Stadtmauern und Wehrtuermen kann man auf eigene Faust entdecken.

Was es in Marokko am 6. Dezember nicht gibt: Nuesse und Orangen (Kann man sich theoretisch auf dem Markt kaufen...), Lebkuchen und Schokoladentaler (Findet man tatsaechlich nirgends...), Glockengelaeute und Fitzenstreiche (Man koennte als Ersatz einen Knueppel verwenden...), Samichlaus und Schmuzli!
Anstatt in vorweihnachtlicher Stimmung zu schwelgen, quetschten wir uns morgens in einen proppenvollen Bus und reisten mit einigen Zwischenfaellen nach Taza. Die Velos liessen wir im Hotel Royal in Fes und wir nahmen nur unsere selbst gebastelten Rucksaecke mit. Unterwegs musste der Motor des Fahrzeuges repariert werden... Dass in Marokko pro Tag durchschnittlich 10 Personen durch Verkehrsunfaelle sterben, verwundert uns laengst nicht mehr, man fragt sich eher, wieso pro Tag nicht 100 Leute auf der Strasse ihr Leben aushauchen! Es gibt Momente (z. B. wenn der Bus in einer Kurve auf die Gegenfahrbahn ausweicht um einen klapprigen Lastwagen zu ueberholen!), da man geneigt ist ein Stossgebet gegen den Himmel zu entsenden!
Wir erreichten Taza wohlbehalten und liessen uns im einfachen Hotel de la Gare nieder (160DH DZ ohne Dusche). Wir spazierten zur Medina (ca. 1 Stunde) und verbrachten den Abend in Cafes und Cybers.

Am naechsten Morgen nahmen wir uns ein Petit-Taxi, fuhren bis zur Haltestelle der Grands-Taxis und reisten mit dem groesseren Bruder weiter bis zu der Gouffre de Friaoutou. Sie ist die groesste Hoehle Nordafrikas (siehe Bild oben) und liegt im Djabal-Tazzeka-Nationalpark bei Taza. Die Strasse windet sich zuerst in engen Kurven den Berg hinauf und man geniesst eine herrliche Aussicht ueber die Gebirgslaufe des Rif. Die Strecke fuehrt weiter hinauf durch felsige Taeler mit vielen Grueneichen. Schliesslich erreicht man die Hochebene. Der Eingang zu den Grotten befindet sich etwas oberhalb der Hauptstrasse. Bevor wir die Hoehle betraten, picknickten wir und genossen die spaerliche Waerme der Herbstsonne. Wir engagierten fuer 200DH einen Fuehrer, Idriss, der nur wenig franzoesisch spricht, dafuer ein wirklich sympathischer junger Mann ist (18 Jahre alt, fast wie wir!).
Zuerst steigt man eine betonierte Treppe hinab, die sich an das Gestein schmiegt. Man betritt die Gouffre, eine riesiges Loch im Berg, das gegen den Himmel offen ist. Bis zum Grund dieser Hoehle sind es achzig bis hundert Meter, die man auf der gut ausgebauten Treppe hinabsteigt. An den zur Sonne gewendeten Felswaenden wachsen Moose und Farne, die einen schoenen Kontrast zum Rot und Grau des Gesteins abgeben. Nachher wird es wirklich abenteuerlich! Die weitere Route ist nichts fuer Leute mit Platzangst oder schwachen Nerven. Eine koerperliche Mindestleistung wird vorausgesetzt (Man bewaeltigt insgesamt etwa 240 Hoehenmeter!). Man sollte zudem selbst ausreichend Taschenlampen mitnehmen (Pro Person mindestens 1!), da es ansonsten recht unangenehm ist im Dunkeln rumzutappen...

Am Grund der Eingangshoehle befindet sich ein Loch. Man kriecht durch jenen Gesteinskorridor fast senkrecht abwaerts ins Erdreich. Wir waren erstaunt, durch welch kleine Oeffnungen sich ein Mensch schlaengeln kann. Es oeffnet sich eine erste Grotte, zu beiden Seiten gibt es Stalagmiten, die wie Waechter eines verborgenen Schatzes auf uns Eindringlinge nieder blicken. So wie wir das abschaetzen konnten, bestanden die Felschichten aus Quarz, normaleren Fels (Tut uns leid, aber eine spezifischere Bezeichnung fuer grauen harten Stein haben wir leider nicht auf Lager! Interessierte sollen das Photo studieren, diesen Fels meinen wir!) und Dreck (nach Lenz). Tatsaechlich waren alle Oberflaechen von diesem Lehm ueberzogen und es ergaben sich an gewissen Stellen tolle Dreckblumenkohlmusterungen. Der Weg fuehrt an tiefen Loechern vorbei und ist meist sehr glitschig. Oft balanciert man auf einem Brett ohne Handlauf oder man sucht mit dem Fuss verzweifelt nach einer Einbuchtung. Die Tour ist aber unbedingt sehenswert. Bis zum Ende des Weges (die Hoehle fuehrt noch weiter) dauert es etwa 1 Stunde und man kann die fremdartigen Stalaktitenformen und glitzernden Felswaende bestaunen. Wir waren drei Stunden in den Grotten. Waehrend des Aufstieges begegneten wir einer spanischen Familie, die sich gerade durch den Steinkorridor zwaengte. Der Sohn an der Spitze "Jetzt macht mal endlich! Kommt schon! Ist ueberhaupt nicht schlimm!", die Mutter bemueht ihm zu folgen "Warte bitte! Ich komme ja schon! Warte bitte!", der juengere Sohn sitzt total am Ende auf einer Steinstufe und der Vater mit Bierbauch als letzter "Verdammt noch mal! Scheisse! Gibt es hier eigentlich keinen Aufzug? Wie lange fuert diese Treppe noch bergab? (? Treppen fuehren entweder immer bergab oder aber bergauf!)". Verschmitzt laechelnd passierten wir die Gruppe und stiegen weiter. Wieder am Sonnenlicht bestellten wir eine Fanta und wechselten die Kleidung.

Da es bereits 16.00 Uhr war und zu dieser Zeit keine Taxis mehr in diese entlegene Region fahren, fuehrte uns Idriss zu einer kleinen Pension (etwa 1 Stunde zu Fuss), wo wir Cousous bestellten und uebernachteten. Ausser dem starken SMS Verkehr seitens Matthias, wurde es ein gemuetlicher Abend mit Kartenschreiben und Plaudern.


Djabal Tazzeka

Klingelingeling! Stehet auf ihr Kinderlein und freuet euch des Lebens! Es ist 7.30 Uhr! Heute ist es soweit, wir besteigen den Djabal-Tazzeka! 20Km bis zur Bergspitze, 40Km hin und zurueck, ca. 9h zu wandern bei 3-5Km/h, etwa 1000 Hoehenmeter zu bewaeltigen, eine echte Herausforderung!

Nach dem Fruehstuck wartet Idriss auf uns und wir machen uns sogleich auf den Weg. Es ist bewoelkt und der Wind zerrt an unseren Kleidern. Es ist kalt. Wir wandern zuerst nach Bab Boudir, einem kleinen Dorf und folgen anschliessend der Teerstrasse mit einer grandiosen Aussicht auf den Tazzeka und die tieferliegenden Landschaften. Unterwegs probiert Matthias das Pfluegen aus, auch wenn noch nicht sehr erfolgreich (0 Furchen, die Esel machen keinen Wank), aber er ist schliesslich noch jung! Nach sieben Km zweigen wir ab und marschieren auf einer Piste durch Eichenwaelder und karge Felshaenge. Der Wind ist extrem stark und treibt die Wolken ueber die Bergkuppe. Wir haben so gut wie keine Sicht und die Mischung aus Feuchtigkeit und Kaelte ist aeusserst unangenehm auf der Haut. Nach zwei Stunden erreichen wir Zedernwaelder. Fuer kurze Zeit oeffnet sich die Wolkendecke und wir haben ein tolles Panorama. Der nasse Wald mit diesen alten Baeumen beruehrt wirklich die Seele. Die Leiber der Zedern sind vollstaendig mit Flechten ueberdeckt und ihre Sihlouetten machen den Eindruck lebendiger Wesen. Es existiert keine groessere Ruhe und Besonnenheit, als sie an diesen Orten herrscht. Die Spitze dieses Zauberortes wir von drei riesigen Sendeantennen besetzt. Boese zischende Riesen, die den Frieden des Waldes zu stoeren versuchen.

Wir bleiben nicht lange auf der Spitze. Hastig essen wir Brot und Kaese. Die Haende sind fast taub und wir ziehen die volle Regenmontur an, da inzwischen Nieselregen eingesetzt hat. Unser Fuehrer, Idriss, hat nicht einmal eine regendichte Jacke an. Der Abstieg gleicht einer Flucht. Der kalte Regen durchdringt alles und naesst die Haut. Vier Stunden marschieren wir im Eiltempo. Als wir wieder bei der Pension ankommen, schlottern alle vor Kaelte. Wir verabschieden Idriss, der wirklich ein guter Freund und Fuehrer gewesen ist und bezahlen ihn. Die naechsten drei Stunden verbringen wir vor dem Feuer, wo wir unsere Glieder waermen und die wichtigsten Kleidungsstuecke trocknen lassen. Unsere Ungeduld bringt uns zudem einige Brandloecher in Socken und Unterhosen ein. Zum Schlafen huellen wir uns in vier Wolldecken. Der Tag ist anstrengend gewesen, weshalb wir tief und fest schlafen.

Am naechsten Tag regnet es nicht mehr und wir laufen gegen 9 Uhr von der Pension los. Falls wir kein Auto finden, das uns nach Taza mitnimmt, bewaeltigen wir die 30Km lange Strecke eben zu Fuss! Nach etwa einer Stunde haelt ein Taxi, das uns in einer waghalsigen Fahrt (Zum Glueck funktioniert der Tachometer nicht!) nach Taza zurueck bringt. Nach dem Mittagessen in einer Garkueche geht Matthias in ein Internetcafe, um sich um einen Job zu kuemmern, waehrend ich (Lenz) mir die Medina ansehe und die Ruinen der Garnisonstuerme erkundige. Ich mache es mir in einer Schiessscharte eines Wehrturmes mit Sicht auf ganz Taza bequem, wo ich gemuetlich im Le monde diplomatique lese. Abends gehen wir gemeinsam in einer Pizzeria essen und nehmen fuer die Nacht wieder ein Zimmer im Hotel de la Gare.

Am folgenden Morgen besteigen wir einen Bus und fahren zurueck nach Fes. Dieser Ausflug ohne unsere Velos hat sich wirklich gelohnt, denn mit dem Rucksack unterwegs zu sein ist ein anderes Reisegefuehl, das mindestens genauso verzaubert.

6.12.06

Oh Fes!

Wir erreichten Fes am 1. Dezember an einem wunderschoenen Herbsttag. Die Stadtmauern der Medina und die mit weissen Graebern ueberzogenen Friedhofshuegel von Fes leuchteten uns richtig entgegen. Wir staunten, ob der Groesse und des Reichtums der Koenigsstadt. Wir bezogen ein grosszuegiges Zimmer (zwei riesige Federbetten, die nur an wenigen Stellen einigermassen bequem waren...) im Hotel Royal in der Nouvelle Ville de Fes (160DH). Die Reise hatte Kraft und Konzentration gekostet, weshalb wir sehr ermuedet waren und an diesem Abend nicht mehr viel unternahmen (Fettes Hamburgeressen und Internetbesuch...).

Am naechsten Tag hatten wir eine Besichtigungstour mit Fuehrer organisiert und Abdellah erschien zunaechst mit einer halben Stunde Verspaetung um 10.30 Uhr. Er fuehrte uns zuerst in einen Dattelsuq in Fes-el-Bali, wo wir ihn mit unseren spitzigen Fragen auf die Palme brachten (Tatsaechlich bildeten sich erste Schweisstropfen, als wir ihn ueber Palmenkrankheiten und Dattelsorten ausquetschten!). Wir brachten soviel in Erfahrung, dass wir schliesslich die beste Sorte der Datteln die "Namenlosen" (weil namenlos gut...) zu probieren verlangten. Aus einer versteckten, unscheinbaren Schachtel kamen zuckersuesse feigengrosse Datteln zum Vorschein, die 140DH pro Kilo kosten (20.-)! Anschliessend schleppte Abdellah uns zu einer Oelpresse, wo er ob der Fragerei bloss den Kopf schuettelte. Der folgende Spaziergang durch die Medina verlief deshalb ohne weitere Gespraeche. Nach einer Weile gab ich (Lenz) Matthias zu verstehen, dass ich mich nicht wohl fuehlte und zum Hotel zurueck fahren wuerde.
Ab diesem Punkt muss unsere Zeit in Fes getrennt berichtet werden, denn es beginnt sozusagen eine neue Zeitrechnung:

Version 1
Hier wird von Lenz berichtet, wie er krank war. Es wird sein zaeher Kampf gegen die Grippe beschrieben und anschliessend wird die Geschichte seiner totalen Gesundung erzaehlt.

Meine Geschichte ist rasch erzaehlt: Ich nahm also in der Medina ein Taxi, das mich direkt zum Hotel brachte und legte mich ins Bett. Mein Kopf fuehlte sich an wie eine zerdrueckte Coladose, mein Unterleib wie gekochte Karotten, die man in kalter Dipsauce vergessen hat, nur mein Oberleib war abgesehen vom Magenbereich einigermassen in Ordnung. Gesundheit in Prozent 15%. Um sechs Uhr kam Matthias ins Hotel und kaufte mir Zwieback, Joguhrt, Aepfel, Bananen und Wasser. Nachher war ich wieder alleine. Ich konnte nicht richtig einschlafen, denn es plagten mich wilde Fieberphantasien. Meine Fantasie benutzte frech auch den vernuenftigen Teil meines Gehirnes und ich musste mir ununterbrochen Dinge vorstellen oder nachdenken. Um halb zwoelf Uhr kam Mattho wieder zurueck. In dieser Nacht musste ich immer wieder auf die Toilette...
Am 3. fuehlte ich mich keineswegs besser, aber Matthias machte Tee und Suppe fuer mich, die schnell Wirkung zeigten. Dank der Thermosflasche Tee und der guten Zeitung fuehlte ich mich abends viel wohler. Ich kochte mir selbst eine Suppe zum Abendessen und schlief die Nacht durch.

Super! Ich war wieder einigermassen bei Kraeften. Ich fuehlte mich unertraeglich dreckig und wusch meine Kleider gruendlich. Sobald ich die Kleider gewechselt hatte, war ich wieder ein ganzer Kerl und zur Feier des Tages assen wir bei Mac Donalds zu Mittag. Anschliessend suchten wir eine Reihe Hotels auf, da wir uns ein bisschen Luxus goennen wollten, doch da alle Hotels, die in unserem Fuehrer empfohlen wurden, beschlossen hatten die Preiskategorie zu wechseln, fanden wir kein angemessenes Etablissement. Wir besichtigten das Voelkerkundemuseum Batha und spazierten, bis es eindunkelte.
Ende der Version 1, weiter geht es unten.


Version 2
Hier wird von Matthias erzaehlt, wie er grosse Entdeckungen machte und fuer grosse Ueberraschung sorgte.

Wenn Matthias irgendwann einmal Zeit hat (denn das kann dauern...), wird er vielleicht einmal diese Version fertig schreiben............
Matthias wird gezwungen Zeit zu haben und so erreicht die lang ersehnte zweite Version die staunende Welt:
Nachdem Lenz ins Taxi und damit aus unserem Gesichtskreis entschwunden war, stürzten wir (Abdellah und meine Wenigkeit) uns ins Getümmel der Medina. In den nächsten paar Stunden hatte ich neben der Besichtigung der Medina die Ehre sämtlichen "Cooperatives" von Fes von innen zu besichtigen, wo ich wie immer herzlich Empfangen und zum Einkaufen aufgefordert wurde... Eine Aufforderung, der ich - zumal ich noch einige Geschenkergänzungen im Kopf hatte - zu einem gewissen Teil nachgekommen bin... Einige meiner Errungenschaften bleiben bis zu einem späteren Zeitpunkt noch geheim - Geschenkzwecke!... Einen Teil möchte ich aber der Welt zum Bestaunen präsentieren: Ein wunderschönes und den Beteuerungen Abdellahs zufolge hochqualitatives (versilbertes) Teegeschirr - Teekrug, Tablett und Gläser... Beim "Herboriste" ein Öl, das in kleinen Dosen wirkungsvoll gegen unseren chronischen Husten sein sollte und eine getrocknete Tee-Mischung. Und - man höre und staune - zwei kleinere, einfache aber wunderschöne Nomaden-Teppiche (von denen ich in der Schweiz einen weiterzuverkaufen hoffe..). Abgesehen von diesen Einkäufen, haben wir die Färbereien von oben besichtigt; eine der 260 Moscheen von Fes von aussen bestaunt; über die Evolution des Menschen und die Zivilisation im Allgemeinen philosophiert, die Stadtgründung von Fes durchgenommen und sonst noch einige charmante Entdeckungen ausgetauscht... Später wurde ich dann auch noch bei Abdellah zuhause zum Nachtessen eingeladen, was ich jedoch dankend ablehnte, da ich total erschöpft war und gerne mit Lenz essen wollte oder zumindest schauen wie es ihm geht...

Am 5. Dezember schliefen wir bis elf Uhr morgens. Anschliessend kauften wir uns in einer Baeckerei einen Berg Croissants und Kuchen und setzten uns in ein Cafe. Wir besuchten ein Internetcafe und wollten darauf in ein Hammam gehen. Die Suche gestaltete sich jedoch komplizierter als zuerst gedacht, da die Taxifahrer Duschanstalten mit Hammams verwechselten (Bloederweise bemerkte ich (Lenz) den Unterschied erst, als ich bereits in Unterhosen im Nassbereich stand...), wir mehrmals die Hammamuntensilien im Hotel vergassen und der echte Hammam in der Medina erst um 21.00 oeffnete...
Schliesslich gingen wir nach dem Abendessen in der Medina in einen oeffentlichen Hammam. Die Raeumlichkeiten waren traditionell ausgebaut und wir erlebten den echten Hammam der kleinen Leute... Es war mit Abstand der schoenste Hammam unserer Reise, auch wenn wir fast an einem Hitzeschlag gestorben waeren...
Am naechsten Tag bastelten wir uns Rucksaecke, verstauten die Velos und das restliche Gepaeck und verliessen das Hotel Royal um fuenf Tage in den Bergen von Taza zu verbringen und zu wandern. Wir fanden den Bus nach Taza auf Anhieb. Die Pseudofahrkarte des Privatbusses kostete 30 DH pro Person.

Ifrane

Es gibt Menschen, die immer die Ruhe bewahren, die immer freundlich sind, die man nie krank sieht und die nie fluchen; Man nennt sie Heilige oder Engel.
Wie gerne waere ich eines dieser tollen Wesen! Ich, der ich nie weiss, ob meine Taten irgendetwas Schlaues bewirken werden. Aber dann, dann koennte ich wenigstens jauchzend jeden Tag 100KM fahren und nebenbei ein paar Suessigkeiten an bettelnde Kinder verteilen.

Wir waren gesundheitlich schwer angeschlagen, als wir uns am Morgen von Katy verabschiedeten. Wir komponierten eine wahre Kakophonie des Hustens im Takt zum Schneuzen der Nase (Komisch! Ploetzlich gelber Schleim, vorher war er gruen!). Niemand wollte wirklich an der Spitze fahren und obwohl wir uns nur 49KM vorgenommen hatten und auf der Route Affen zu sehen sein sollten, kam keine echte Freude auf. Als sich vor uns die Landschaft oeffnete und die Sicht auf riesige Zedernwaelder freigab, machten wir nicht einmal ein Foto, sondern sausten lieber gleich weiter.
Den einzigen Affen, den wir sahen, haetten wir fast ueberfahren. Der Affe ueberquerte die Strasse, doch meine Finger (Lenz) waren durch den eisigen Gegenwind zum schnellen Bremsen zu taub und gefuehlslos geworden. Zum Glueck war der Affe schnell genug! Sonst waere sein Fell als Weihnachtsgeschenk in die Schweiz gewandert! Und meins vielleicht ebenfalls!

In Azrou rasteten wir. Wir stellten entsetzt fest, dass uns unsere halsbrecherische Zehnkilometerabfahrt einige Hoehenmeter gekostet hatte und dass wir von Azrou (1250m) bis Ifrane (1650m) vierhundert Meter aufsteigen mussten. Nun folgten 17 KM des Leidens, der Abhaermung und der Schwaeche. Man stellte sich selbst dauernd die Frage, ob Velofahren am Suedpol wohl angenehmer waere. Schliesslich erreichten wir Ifrane, ein kleines Staedtchen, wohin die reichen Marokkaner im Sommer ihre Kinder in die Ferien schicken und im Winter Ski fahren. Die Haeuser erinnern an deutsche Vorstaedte, alles weiss gestrichene Einfamilienhaeuschen mit Giebeldach! Wir nahmen ein Zimmer in einem 3* Hotel mit Heizung und wir sollten unsere Kammer die naechsten zwei Tage auch nicht gross verlassen...
Am naechsten Tag hatten wir beide Kopfweh, Durchfall, Husten und ich (Lieutenant Lenz) hatte zusaetzlich eine leicht erhoehte Koerpertemperatur, sprich Fieber. Wir pflegten uns nach Kraeften. Am 1.12 fuehlten wir uns wieder einigermassen wohl, d. h. wir waren eigentlich noch krank und wir beschlossen dennoch den Bus nach Fes zu nehmen und uns dort ganz auszukurieren, denn in Ifrane waren die Preise sehr hoch und es machte auch generell keinen heimeligen Eindruck... So bestiegen wir nach 3 Stunden Wartezeit einen privaten Bus nach Fes. Schade, dass wir nicht die ganze Linie von M hamid bis Fes mit dem Velo zuruecklegen konnten, aber man soll sich nicht gegen sein Schicksal stemmen und versuchen etwas zu forcieren...
Thats life!

5.12.06

Unsere SOS-Kinderdorf Spenderliste

Hey ihr seid super Leute!!!

Was ist gut? Wie kann man wirklich helfen?
Matthias und ich fragen uns immer: Reicht Spenden aus, um ein ruhiges Gewissen haben zu dürfen? Darf man stolz sein, wenn man spendet? Nützt Spenden hinsichtlich der Schwierigkeit und Komplexität der Probleme überhaupt etwas? Wie steht es mit der Langfristigkeit der Hilfe? Was folgt nachher? Gibt es eine Perspektive für diese Menschen?

Diese Fragen werden wir uns wohl noch unser ganzes Leben stellen. Es ist nötig, dass man nie aufhört darüber nachzudenken; Zu schnell verblassen zurück im schweizer Alltag die Unverhältnismässigkeit und der Kontrast zur Realität in Marokko.

SOS-Kinderdorf Spenderliste
Mark Frischknecht;

Francine & Jürg Honegger;

David Honegger;

Norma & Peter Lietha;

Vera Neuhaus;

Marco Todisco;

Franziska Zeller;

Konrad Zollinger;

Spendet man, sollte man keine Gegenreakton des Empfängers erwarten. Meist kommt etwas zurück und sei es ein einziges, kurzes Lächeln. Wie z. B. bei der Frage, ob man in die Hölle kommt oder ins Paradies, gibt es auch bei der Frage nach der Gerechtigkeit des Schicksals keine Antwort, beziehungsweise eine Rechtfertigung...Wie man heutzutage leider auch keine Ablassbriefe mehr kaufen kann... z. B. für genügend Essen, Schule und eine heile Familie...
Wir danken nochmals für alle Spenden und hoffen fest, die Spendengelder anderer Organisationen nicht geschmälert zu haben...

Matthias & Lenz

3.12.06

Midelt - Ifrane

Internetcafes in Marokko sind kuriose Orte. Meist weist ein kleines Schild mit der Aufschrift “Cyber” den Touristen auf deren Existenz hin, da sich die Internetcafes oft im ersten Stock befinden. Man betritt den Saal und setzt sich auf einen Stuhl mit kaputter Lehne. Der bereits recht in Mitleidenschaft geratene Computer befindet sich auf einem dieser adretten Bureautischchen mit Sichtschranken aus Plastik, die ein unueberzeugendes Mahagonimuster ziert. Ein laechelnder junger Mann legt ein Zettelchen mit der Startzeit auf die Ablage, laechelnd, weil man zahlt, waehrend jener mit seinem Kumpel gratis den Nachbarcomputer benutzt... Alles ist gemuetlich, die Musik, die Stuckdecke mit den orientalischen Ornamenten, die Uhr, deren Stundenzeiger stuendlich per Hand umgedreht wird, vom Minutenzeiger ganz zu schweigen. Alles ist perfekt; Der Nachbar rechts schaut sich gerade eine Pornoseite an.

Die Internetcafes begleiten uns, seit wir in Tanger angekommen sind. Wir haben viel Zeit zum Schreiben und Kommunizieren verbraucht und deshalb wollte ich (Lenz) an dieser Stelle eine kleine Widmung anbringen und habe ein kleines Bild des Cyber in Midelt gezeichnet.

Wir verliessen Midelt, als die Sonne bereits an Staerke gewonnen hatte und beeilten uns ein bisschen, um die Ebene bis zur naechsten Gebirgskette zuegig hinter uns zu bringen. Kurz vor Zeida hatte Matthias seinen vierten Platten. Da er einen Schlauch in Rich repariert hatte, hatten wir zum Glueck wieder ausreichend Reserveschlaeuche und das Problem war schnell behoben. Der wechselnde Wind trieb uns fast in die Verzweiflung. Grade Strecken, die langsam anstiegen, waren die Schlimmsten. Beim Mittagessen machten wir die Bekanntschaft mit einem wirklich gelehrten Marokkaner, mit welchem wir uns ueber Politik und Lebensweise austauschten.

Am Nachmittag arbeiteten wir uns bergauf bis zum Col du Zad (2178m). Die Strecke fuehrte ein wunderschoenes Tal mit Zedern entlang und drehte man sich um, so hatte man ein herrliches Panorama mit den verschneiten Gipfel des hohen Atlas im Hintergrund. Auf dem Kamm wechselten wir die Kleidung und radelten in einem von Matthias bestimmten Moerdertempo in Richtung Timadithe. Nach 20KM war der Heisskopf am Ende und der zaehere Esel musste den maroden Velozug uebernehmen. Beim Eindunkeln erreichten wir endlich Timadithe. Im Dorf stellten wir entsetzt fest, dass es keine Schlafmoeglichkeit gab. Aber wie ein Wunder sprach uns eine Amerikanerin an, die, wie wir staunend feststellten, berberisch sprach! Zuerst versuchte sie uns eine Schlafstelle zu vermitteln, doch angesichts der totalen Misslage die in Timadithe bezueglich Hotels herrscht, lud sie uns schliesslich zu sich nach Hause ein. Katy war wirklich nett und ueberliess uns zum Schlafen ihr ganzes Haus, waehrend sie zu einer Familie ging. Sie arbeitet als Helferin mit einheimischen Frauen zusammen und versucht eine Kooperative zu gruenden, die deren Produkte vertreibt. Wir machten es uns in ihrem Salon gemuetlich. Mit Musik aus ihrem I-Pod und einem Feuerchen im kleinen Ofen schliefen wir behaglich ein.

1.12.06

Rich - Midelt

Wir verliessen Rich nicht unbedingt fruehmorgens, es war ca 9.15, doch es war so kalt, dass wir zum Fahren Winterhandschuhe und Muetze anzogen. Die Stimmung war ziemlich mies und angespannt. Sogar die Blaeue des Himmels wurde zum Aergernis und es hatte sowieso niemand gross Lust den Fotoapparat hervorzusuchen und die Schnee bedeckten Gipfel des hohen Atlas zu fotografieren. Auch die wechselnden Kilometerangaben der Strassensteine zwischen 75-110KM nach Midelt trugen zur guten Laune der Eris bei...

Die Strecke fuehrte bis zu einer kleineren Passhoehe stetig leicht bergauf. Der Wind kam eher seitwaerts, doch trotzdem eher unangenehm... Anschliessend tauchten wir in eine Nebelfront ein und fuhren in Serpentinen bis zum Talgrund.Jenes Tal scheint eine natuerliche Grenze der Hoehenniveaux des hohen Atlas und des mittleren Atlas zu bilden.
Unsere Nasen schuetteten indessen massenhaft gruenen Schleim aus und das kratzende Reizgefuehl im Hals war fast nicht mehr zu ignorieren, als wir um drei Uhr in Midelt ankamen. Midelt ist ein Ort der Gegensaetze. Die Vorstadt ist neu und falsch und der Rest alt, schmutzig und arm.
Auf der Suche nach einem Hotel machten wir zuerst eine lange Irrfahrt und da wir touristische Komplexe grundsaetzlich meiden, fanden wir schliesslich ein aktzeptables Zimmer mit zwei riesigen Betten, das nach Desinfektionsmittel roch, fuer 70DH pro Nacht (Hotel Toulouse).
Dass wir an jenem Tage nicht krank wurden und eine ruhige Nacht verbrachten, verdankten wir der wunderbaren Wirkung des traditionellen Hammams, wo wir uns ausgiebig wuschen und abschrubbten.

An dieser Stelle nochmals vielen herzlichen Dank an Jean-Louis (Freund von Lis aus Marrakech!) und an die Tatsache, dass Jean-Louis bereits viele Angewohnheiten von Lis uebernommen hat oder gegebenfalls gezwungen wurde sie sich anzueignen... Auf jeden Fall hat er uns unser erstes Mal im Hammam geschenkt und diese Entdeckung ist zum alltaeglichen Beduerfnis geworden! Nimmt man eine Dusche oder ein Bad, ist man noch lange nicht sauber!
Alors, mille mercis!

Verschollen im Hohen Atlas?

Nach langer Zeit ohne Rueckmeldung dafuer mit einigen Rueckschlaegen unsererseits melden wir uns wieder- Ja! Wir sind noch da und wollen das mit einem aktuellen Bericht beweisen!

Am Abend des 22.11 beschaeftigten uns vor allem unsere Geldsorgen, nichts desto trotz goennten wir uns im Hotel Timbouktu in Tinghir ein marokkanisches Festmahl (Denn es gibt keine irdischen Sorgen, die unser Beduerfnis nach Nahrung uebertreffen...): Bastilla, ein Gericht, das nur auf Bestellung hin serviert wird und normalerweise nur an den hoechsten marokkanischen Festtaegen zubereitet wird. Das Hotel hat im Bezug auf die Bastilla eine gewisse Beruehmtheit erlangt, weshalb wir die Gelegenheit nicht missen wollten... Die Bastilla ist ein Gebaeck mit einer Fuellung aus zart-gekochtem Taubenfleisch, Mandeln, Rosinen, Zimt und einer weiteren Vielzahl von Gewuerzen. Der Teig aehnelt dem Blaetterteig, ist aber zaeher. Beim Abendessen lernten wir zudem ein deutsches Paerchen kennen, die mit Gelaendewagen unterwegs waren. Sie boten uns an im Notfall Geld auszuleihen und wir dankten ihnen herzlich fuer ihr Angebot, die Frau war uebrigens auch sehr huebsch! Man soll niemals moegliche Angebote ausser acht lassen!

Voller Erwartungen und mit einem flauem Gefühl in der Magengegend bezueglich unserer Geldangelegenheiten brachen wir am naechsten Morgen von Tinghir in den hohen Atlas auf.

(Wir hatten mit dem Bankomaten einen zaehen Kampf gerungen- Dank ihrer mit grammatikalisch mangelhaften Kenntnissen angereicherter Stumpfsinnigkeit, gaben sie immer die gleiche Antwort: "Ungenügender Grund!" (Auf französischen "Fonds insuffisants") und gewannen kompromisslos. Wir legten die Waffen nieder und hofften auf bessere Tage (Wie heisst es so schoen; Die Zeit heilt alle Wunden... Wenn dieser Spruch nicht von Gott kommt, dann von der Zuercher Kantonalbank, die die Kartenlimite bestimmt.)

Die kurze Strecke von 33KM von Tinghir bis Tamtattouchte werden wir trotz Steigung, dank Rückenwind und Augen-Seelen-Balsahm der wunderschönen Schlucht - "Gorges du Todra", immer in bester Erinnerung behalten!
In Tamtattouchte angekommen setzten wir uns spontan ins weitaus grösste und schönste Hotel (Babbdou, wie irgendein Berg jener Gegend) und genossen ein wirklich ausgezeichnetes Mittagsmahl. Der Service war angenehm und so entschieden wir uns eines der günstigeren Zimmer zu nehmen (saukalt in der Nacht, aber billig). Das Hotel ist sehr liebevoll geführt (Auch wenn der Chef fortwaehrend raucht und kifft... er benoetigte dringend unsere Marlboros - keine Sorge, wir haben sie ausschliesslich zu Geschenk-Tausch-Zwecken gekauft -, da er sonst unter Entzugserscheinungen zu leiden gehabt haette...)

Am folgenden Tag bewaeltigten wir gemütlich den Tizi-Tirheouzine (2700 müM) und hoppelten auf der heftigen Piste (nach Reise-Know-How-Karte geteerte Nebenstrasse!?!) nach Agoudal. Die sehr anstrengende Passhoehe bewaeltigten wir verhaeltnismaessig problemlos. Das Wetter war super! Auf dem Grat wechselten wir die Kleidung und assen zu Mittag. Auf der weiteren Strecke bis Agoudal hatte ich (Matthias) meinen ersten und zweiten Platten direkt in Folge, da ich die Zerstörungskraft von Steinen und metallenen Reifenhebern unterschätzt hatte! Aber kein Problem, wir wechselten die Reifen innert kurzer Zeit und nervten uns nicht gross, was geschieht, geschieht eben.
Die sehr steinige Piste folgt dem Bach talabwaerts und ueberquert mehrmahls (20 Mal...) den Flusslauf. Eine Flussdurchquerung ist eine Sache, die immer wieder etwas Mut erfordert, beachtet man die Tatsache, dass mit jedem Kilometer mehr Wasser mitgeführt wird... Zuerst sucht man mit den Augen den günstigsten Ort, darauf holt man im kleinsten Gang Anlauf und fährt so schnell wie möglich durch die Furt, wobei das Hinterrad normalerweise etwas durchdreht... Solange das Hinterrad nur etwas durchdreht ist alles in Ordnung und man erreicht das andere Ufer nur mit ein bisschen nassen Füssen. Bleibt man jedoch im Sand stecken und muss das Fahrrad einige Meter schieben, ist mit weit groesseren Schaeden zu rechnen. Manchmal findet man sich auch- einem Hometrainer gleich - auf der Stelle tretend in der Mitte des Flusses wieder. Das heisst, dass man einen Augenblick später mit einem Fuss im Wasser steht und das Velo auf einem Bein hüpfend ans andere Ufer zu bewegen hat...
Wir waren jedenfalls aeusserst dankbar, als wir eine Kurve nehmend eine Ansammlung Hütten entdeckten und -Agoudal- in der Abenddämmerung erblickten! Auf gut Glück fuhren wir durch das Dorf und beschlossen beim letzten Haus am Dorfausgang, das wie viele andere auch mit "Auberge Berbere" angeschrieben war, zu übernachten. Wir wurden gut empfangen und machten mit dem Gastgeber eine abendliche Einkaufstour, wobei wir spätestens im Dorf recht dankbar für seine Begleitung waren, da wir ansonsten die Laeden im dunklen Gassengewirr niemals gefunden hätten...

Am folgenden Morgen, entdeckte Lenz beim Frühstück einige Wolken, die bedrohlich am Horizont aufzogen, worauf er zum raschen Aufbruch drängte!
Da die Piste nach Imilchil dem Fluss folgt und ebenfalls unbefestigt ist, braucht es wenig Fantasie, um sich vorzustellen, was bei minus Temperaturen auf 2200m Hoehe geschehen wuerde. Zwei bis drei Wochen eingeschneit ohne Verkehrsverbindung und ohne Geld!

Da wir beide wenig Lust verspürten den Winter in unserem Zelt, beziehungsweise einem selbstgebauten Iglu im Hohen Atlas zu verbringen, beschlossen wir nach einem zweiten Pass das Teersträsschen, das direkt in tiefere Gefilde - nach Rich - führt, zu nehmen. Wir begruben unseren Plan zuerst nach Imilchil zu fahren und dann per hardcore Piste (ZweiPaessen 2900m und 2700m) nach Fes zu fahren.
Die Entscheidung kurz vor Imilchil - unserem Tagesetappenziel- aufzugeben, kostete einige Überwindung, die jedoch bald von einer rauschenden Abfahrt wiedergutgemacht wurde! Wir legten unsere Rekorddistanz zurueck. Knapp 140 KM an einem Tag durch ein landschaftlich wunderschönes Tal ! Ich (Matthias) hatte unterwegs meinen dritten Platten, der durch einen Ventilaustausch jedoch rasch behoben war (Beim fuenften Platten eine Flasche Champagner!). Abends fanden wir nach einer unfreiwilligen Stadtrundfahrt ein günstiges Hotel in Rich. Man muss wohl kaum mehr hinzufuegen, dass wir total erschoepft und ausgelaugt waren... Mit einer minimalen Leserschlauheit darf schliesslich gerechnet werden...

Der nachste Morgen bestaetigte die Befuerchtungen des Vortags komplett, es hatte geregnet, bzw. geschneit. Der Kraftakt hatte sich gelohnt. Wir hatten unseren Arsch vorm Tod durch Erfrieren gerettet! Wir waren überhaupt nicht in Stimmung die ca. 80 km lange Strecke nach Midelt unter die Räder zu nehmen und so schoben wir einen Putz-und-aufmöbel-Tag ein. Das Couscous, das wir uns an diesem Abend genehmigten füllte uns dank übergrosszügigen Portionen wieder einmal bis zum Platzen...

22.11.06

Im Schnellzugstempo nach Tinghir

Es ist 05:15 Uhr, stockfinster in unserem Zelt, das Natel surrt!
Wir haben die 98KM lange Strecke bis Tinghir vor uns und haben dort noch einiges zu erledigen, damit wir morgen in den Hohen Atlas aufbrechen können!
Wir wollen nämlich nach Imilchil - dort wird alljährlich der Heiratsmarkt der Berber abgehalten und es führt eine ausserordentlich schöne Strasse bzw. Piste weiter in Richtung Fes. 'Enshallah'...
Am frühen Morgen jedenfalls ist es (Die Sonne ist noch nirgends festzustellen!) eisig kalt, und nachdem wir alles eingepackt haben, bleiben wir noch im Zelt, wo es einige Grade wärmer ist als draussen.
Als sich der Horizont langsahm gelblich färbt, packen wir das Zelt zusammen und beladen die Velos. Froh sich durch die Bewegung auf dem Velo etwas aufzuwärmen, fahren wir los. Der Fahrtwind trägt jedoch kräftig zur Auskühlung bei, so dass wir unsere ersten 18km frierend, aber hoffnungsvoll, der Sonne entgegenfahren.
In einem grösseren Ort lassen wir uns für einige Zeit in einem Cafe nieder und frühstücken mangels Alternativen Madeleines, Tee und Café au lait. Danach erreicht die Sonne schon die Strasse und wir fahren weiter. Die Route führt durch viele Dörfer, die sich fast unterbruchslos aneinanderreihen. Neu für uns sind die unzähligen Boutiquen, die alle Accessoires, die im Entferntesten mit Rosen zu tun haben, anbieten; Wir sind am Anfang des Vallée des Roses... Die Landschaft verändert sich nach Boumalne de Dades - die Häuser weichen einem riesigen Horizont. Wir kommen sehr gut voran (30km/h im Schnitt!) und geniessen die gleichmässige Fahrt durch die ebene Steinwüste, die links und rechts von Bergen eingefasst ist. Schon um 13:30 Uhr erreichen wir Tinghir, wo wir uns ein gutes Hotel nehmen (Hotel Timbouctu; mit Pool - dafür nur ab und zu Wasser in der Dusche...; das günstigste Zimmer auf dem Dach für 210DH).
Wir gehen einkaufen und nachher noch rasch in ein Internetkaffee - rasch heisst ungefähr für zweieinhalb Stunden - wo wir E-Mails schreiben und an unserem Blog arbeiten...

Wieder in der Stadt des Films; Ouarzazate

Wir haben die Taxifahrt nach Ouarzazate wohlbehalten überstanden. Nachdem wir einige Einkäufe getätigt und einige Neuigkeiten ins Internet gestellt haben, begeben wir uns ins Industriequartier, wo Ahmed in seinem Studio an einem "Plafond", einer reich verzierten Holzdecke für eine Villa, arbeitet. Er begrüsst uns sehr freundlich, aber an Herzlichkeit kann er sich mit Ibrahim nicht messen!
Wir lassen die Velos im Studio stehen und machen mit ihm einen kleinen Spaziergang, der uns "zufällig" bei einem Souvenirladen seines Onkels vorbeiführt. Sogleich werden uns sämtliche besseren Stücke der Sammlung vorgelegt und sogar mit einem Tee 'gedroht'. Wir reagieren mit Humor (es wird immer sehr schnell gefragt, ob man zum ersten Mal in Marokko sei - es geht darum zu wissen, wie erfahren der Käufer ist...) und wir behaupten, wir seien schon mehrmals einige Monate in Marokko gewesen. Darauf fragt Lenz listig den Verkäufer, ob er einige Familien kenne, wo die Stücke herkämen und bittet ihn ihm einige Namen aufzuzählen, der arme Verkäufer aus Mali gerät ab dieser Frage sehr in Verlegenheit und fragt zurück "Tu as déja fait l'afrique"? Das Gespräch wird sehr bald ohne Kaufresultat abgebrochen und wir nehmen mit Ahmed ein Grand-Taxi (die kleinen dürfen die Stadt nicht verlassen). Wir fahren ca. drei Kilometer zu seiner kleinen Wohnung.
Dort treffen wir seine Frau (die erste in Marokko, die selber auch ausserhalb des Hauses arbeitet, etwas Französisch kann und sehr gesprächig ist!) und seine Kinder. Wir verbringen einen ungezwungenen Abend mit ihnen und legen uns bald - die Männer im Wohnzimmer auf den Sofas, die Frauen verschwinden in verschiedenen Zimmern- zur Ruhe...
Am nächsten Morgen fahren wir zuerst ins Studio, wo wir unsere Velos wieder etwas aufmöbeln, verabschieden uns von Ahmed und gehen in einem sympatischen Restaurant (einer der Kellner hat sich bei uns zum Status Freund heraufgearbeitet...) essen.
Danach brechen wir auf und fahren mit den frischgeölten Velos gegen den Wind durch eine mühsahm hügelige Landschaft in Richtung Tinghir. Bei Kilometer 68 19KM vor Elkelaa beschliessen wir unser Zelt aufzustellen. Zum Nachtessen gibt es Teigwaren mit Pilzaroma, Magnesiumtabletten für die Muskelregerierung, Granatapfelkerne, gesalzene Cacahuettes; zum Dessert: Äpfel, getrocknete Feigen, und diverse Bisquits...

20.11.06

Ein neues Zuhause

Den 17. verbringen wir in Zagora. Wir lassen die Kleidung waschen, taetigen einige Einkaeufe (Socken, Unterhosen, Cleanex, alles was ein Mann eben so braucht) und schreiben fleissig Nachrichten in die ferne Heimat.
Am naechsten Tag fahren wir morgens nach Agdz zu Ibrahim.
Ibrahim ist wirklich ein Freund geworden und dass er uns zu sich nach Hause einlaedt, ist der endgueltige Beweis dafuer. Agdz ist ein eher wohlhabendes Staedtchen und sein Heim befindet sich im alten Teil von Agdz. Er wohnt in einem sehr sauberen Haus mit einem huebschen Innenhof, wo er Rosenstoecke und ein kleines Baeumchen gepflanzt hat. Das Haus besitzt drei Zimmer und eine Toilette. Der Gaesteraum ist sehr kostbar und stilvoll eingerichtet und man merkt sofort, dass Ibrahim zu einer angesehenen reichen Familien gehoert, die grossen Wert auf Traddition legt. Auch die restlichen Raeume sind zwar einfach ausstaffiert, dafuer zweckorientiert und von hoher Qualitaet.
Zuerst setzen wir uns und nach einem langen Teeritual trinken wir starken Anistee. Wir fuehlen uns wohl und vertrauen Ibrahim all unsere Gedanken und Sorgen an. Er ist auf eine Art sehr weise und weiss viel ueber das Weltgeschehen (Er hat schon grosse Teile von Europa bereist). Es tut gut wieder einmal ein gutes Gespraech zu fuehren, denn nur selten trifft man Leute, die auch tiefere Gedankengaenge auf Franzoesisch auszudruecken imstande sind. Es braucht nicht einmal ein grosses Vokabular, man muss nur die richtige Wortkombination finden und es wird bereits klar, was man sagen moechte.
Seine Frau ist eine schoene Berberin und mit ihr hat er zwei Toechter und einen Sohn. Ab und zu verlaesst uns Ibrahim um zu beten oder etwas zu holen und waehrend dieser kurzen Momente geniessen wir die Ruhe dieser Familie und spielen mit Mohammed (7 Jahre) und der kleinen Tochter (8 Monate), die Ibrahim ueber alles liebt. Zum Mittagessen gibt es Tajine, die wir zum erste Mal mit den Haenden essen (Man waescht sich vorher und nachher gut die Haende), wie es unter den Einheimischen ueblich ist. Nachher gehen wir in seinen Laden und sehen uns einige Teppiche an. Ich (Lenz) entschliesse mich zwei Teppiche zu kaufen. Matthias kauft sich eine wunderschoene Gandorra (Traditionelle Kleidung der Nomaden) mit passenden Hosen aus Seide mit handgearbeiteten Stickereien und tauscht seinen blauen Schasch gegen einen Weissen ein. Ich moechte das gleiche Modell wie Ibrahim, da sie diese aber nicht verkaufen, darf ich Ibrahims Gandorra kaufen. Insgesamt muss man sagen, die Kleidung ist ein Geschenk, denn der Preis ist vernachlaessigbar.
Als ich das Geld abheben moechte, um die Teppiche zu bezahlen, schluckt der Automat die Karte. Wir suchen den Direktor der Bank (Guter Freund von Ibrahim), doch dieser ist bereits nach Ouarzazate gefahren. Ich bitte Matthias um Verzeihung und wir bleiben ueber Nacht bei Ibrahim. Nach dem Essen gehen wir bald schlafen und die Traeume sind ruhig und haben eine wohltuende Wirkung.
Der folgende Tag ist ein Sonntag und der Bankdirektor ist nicht aufzutreiben, also beschliessen wir eine Velotour zu den Cascades de Tizqui (19KM) zu unternehmen. Mit leichtbepackten Velos bewaeltigen wir die Piste spielend und wir verbringen den ganzen Tag an diesem herrlichen Ort der Natur. Wir baden, rutschen die Wasserrinne hinunter oder reden mit dem komischen Typen, der sich zum Hueter ernannt hat und der Omar heisst. Gegen abend fahren wir zurueck nach Agdz voll von den Eindruecken und Bildern. Wir setzen uns mit Ibrahim zu seinen Freunden vor einen Teppichladen. Wir reden, trinken Tee, essen Suessigkeiten, waehrend es Nacht wird. Nachher schlafen wir wieder bei Ibrahim zu Hause.
Am naechsten Morgen (Montag) verabschieden wir uns von der Familie. Die Bank ist offen und wir koennen Ibrahim das Geld geben. Nach einem Abschiedstee, versprechen wir uns wiederzusehen und schwoeren auf die Freundschaft. Ibrahim bringt uns bis zum Taxi. Wir verlassen Agdz und haben nun fuer immer ein Heim gewonnen, wo wir wilkommen sind.

In Ouarzazate essen wir in unserem hervorragenden Stammlokal (Ahmed hatte uns dorthin gefuehrt) und suchen das nachste Internetcafe auf, um diese wunderbare Begegnung niederzuschreiben. Enschallah werden wir Ibrahim in der Schweiz bewirten duerfen.

Sahara; teil Drei: Toute la sahara est une toilette

Endlich! Hier ist er nun, der heissersehnte dritte Teil!

Der dritte Tag verlief objektiv betrachtet ereignisarm. Da in diesem Blog aber nicht nur objektiv geschrieben wird, gibt es dennoch einiges zu berichten...
Wir starteten mit dem üblichen Frühstück in den Tag: frisches, von Zeid gebackenes Fladenbrot oder Crepes ohne Eier, ein Schälchen Erdbeerkonfi, Margarine (die sich offenbar über eine Woche bei 25°C halten lässt...), Café au lait (Milch aus Milchpulver ist erstaunlich gut! -Wir hatten auch keinen Vergleich...) und Tee (am Morgen sehr stark!).

Wie ueblich folgte nach dem Frühstück das Aufräumen und das Packen der Dromedare. Sogleich brachen wir auf, da die bepackten Dromedare immer gleich abmarschieren wollten. Nach einigen Kilometern zum Aufwärmen, stieg Lenz auf, um sich im mehr oder weniger gleichmässigen Schaukeln und Schwanken des Riesentieres zu erholen. Meine Frage, ob ich (Matthias) auch aufsteigen könne, verneinte Zaid mit Bedauern; Das zweite Dromedar sei zu ausgelastet... (Tipp an alle, die mit Dromedaren eine Wüstentour planen: Wünschen Sie beim Organisator der Reise ausdrücklich genügend Tiere für das Gepäck UND zum Reiten! Uns war bestätigt worden, wir könnten jederzeit aufsteigen!...)
Für mich war also Zeit zu zeigen, dass ich hart im Nehmen bin ;-) Es wird marschiert!.. Unser Weg (Einen Weg im eigentlichen Sinne gibt es nicht, nur eine vage Richtung, die der innere Kompass vorgibt.) führte uns durch steinige Hügel und es gab immer mehr Oueds zu passieren - für die Dromedare etwas mühsam, da sie schlecht bergab gehen können - und für uns auch, da sie langsamer werden. Zeid, der bisher immer an der Spitze unseres Zuges gegangen war, begab sich, mit seinem schön geschnitzten Stock bewaffnet, hinter die beiden Tiere und ich (Matthias) übernahm das Leitseil. Um die Trampeltiere zum Gehen zu motivieren, zog Zeid ab und zu kräftig am Seil, das dem Leittier hinter den Kauzähnen um den Kiefer geknüpft wird - was für das Dromedar eher unangenehm sein musste! Aber so werden diese Tiere offenbar gelenkt... So zog ich die zwei riesigen Tiere durch die Steinwüste, wobei es immer galt den besten Weg zu finden und gleichzeitig das endgültige Ziel - L oasis sacrée - nicht aus den Augen zu verlieren. Als ich schon fast im Halbschlaf lag tauschten Lenz und ich die Plätze und er uebernahm die Leitung der beiden Dromedare.

L oasis sacrée: Treffpunkt der Nomaden; das Grün der Palmen war Augenbalsam nach Tagen der oeden Steinwueste und man versteht, dass Grün für die Berber die edelste Farbe schlechthin ist.

Wir verbrachten den Abend mit Schreiben von Postkarten, Lesen, Fotografieren. Beim Tee tauchte ein Freund von Zeid auf, der sich zu uns setzte. Beide waren ganz absorbiert in ihrem Gespräch, als ich von einem kleinen Spaziergang aufs Örtchen - "Toute la sahara c'est une toilette" - zurückgekam. Zeid fragte mich, ob ich die Dromedare gesehen hätte. Ich war nicht Dromedare streicheln, sondern am Scheissen! Nein, ich hatte sie nicht gesehen!
Aprubt beendete er die Teerunde mit seinem Freund und verschwand sichtlich beunruhigt mit meiner Taschenlampe ausgerüstet im Dunkel der Nacht auf der Suche nach unseren Dromedaren!
Nach etwa 3 Stunden kam er zurueck- sichtbar ermüdet - er war den Spuren der beiden Tiere entlang bis zu unserem letzten Lagerplatz gerannt (15 Km!), doch die Tiere hatten bereits einen zu grossen Vorsprung, um noch eingeholt zu werden. Sie würden wohl zum Ausgangslager zurückkehren... auf der Suche nach bruenftigen Dromedarweibchen... Wir nahmen die schlechte Nachricht eher gelassen hin, in der Hoffnung dass die Viecher es sich anders ueberlegen wuerden und am Morgen brav vor dem Zelt stuenden und kochten fuer Zeid, der total am Ende war, das Nachtessen: Milchreis...

Am nächsten Morgen - keine Dromedare! Das saubere Trinkwasser war ebenfalls alle!
Ohne Wasser und reitbaren Untersatz verloren in der Sahara!
Das sind die Geschichten, die frueher unter vorgehaltener Hand den Kinder erzaehlt wurden! Leider (oder zum Glueck!) ist eine solche Romantik in der heutigen Welt nur noch schwer aufrecht zu erhalten, denn eine halbe Stunde nach dem Morgenessen brauste ein Jeep herbei, ein toller Wuestenschlitten (leider ohne Chromstahl...), der einen Wassertank in die Hütten beim Erg Cheggaga bringen sollte.
Da der Fahrer anscheinend der Bruder des Freundes eines bekannter Schwagers war, dessen Namen Zeid zufaellig kannte (sonst haette er sicher noch eine andere verwinkelte Bekanntschaft ausgegraben...), durften wir unser Gepaeck einladen und mitfahren.
So kamen wir in den Genuss einer Fahrt über Wüstenpisten auf dem Dach eines 4x4 (eine mindestens so holprige Angelegenheit wie ein Dromedar). Nach etwa 40 Min. Fahrt wurden wir am Fuss der Sanddünen von Shagaga abgeladen und trugen unser Gepäck ein Stueck weit in die Sandlandschaft hinein, wo wir unser Lager aufschlugen.
Es folgte ein Nachmittag, den Lenz und ich auf (und auch etwas IN) den Dünen verbrachten. Das Resultat waren diverse in den Sand geschriebene Namen am und um den Erg Chagaga (die höchste Düne am Anfang des "Mer des dunes"). Diesen Ort werden unsere Fotos besser dokumentieren als jede unvollkomene Beschreibung! Deshalb versuche ich es gar nicht erst!

Den fuenften Morgen hatte ich sehnlichst erwartet, da mein körpereigener Flüssigkeitstank die ganze Nacht über die Tendenz gehabt hatte sich gegen meinen Willen zu entleeren.
Es folgen zwei weitere Tipps an Wüstenreisende: Sie tönen banal, doch oho!...

Nehmt genügend Trinkwasser mit!!!! D. h. berechnet die noetige Literzahl (3 pro Person und Tag) und konrolliert selbst nach, ob sich tatsaechlich die Anzahl Flaschen im Gepaeck befindet! Ich möchte wissen weshalb, aber wir hatten jedenfalls nicht genug Mineralwasser dabei (Wahrscheinlich wurde unser Wasser heimlich verkauft, um das Salaer zu verbessern...).
Auf der Reise desinfizierten wir Brunnenwasser mit Chlortabletten, was eigentlich als Hygienemassnahme reichen sollte. Ich vermute die Quelle des Übels eher bei der Pulvermilch, die Zeid mit ungenügend abgekochtem Wasser anmachte.

Der zweite Tipp lautet: "Immodium in Schmelztablettenform". Dieses Medikament ist in dieser Nacht von mir vergöttert worden!

Am naechsten Morgen war ich jedenfalls noch fit genug um das Gepäck zum Jeep zu tragen, der uns zurück zum Champ des Juifs bringen sollte. Sogar die Schüttelfahrt, die folgte (Sie war wegen höherem Tempo noch heftiger als am Vortag), ueberstand mein gebeuteltes Verdauungsystem ohne Revolte.
Ausser neuen Erkenntnissen darüber, wie man bei Sand Auto fährt und dem Abschied von Zeid (der seine Dromedare suchen ging), ist von der Fahrt nichts zu berichten...
Im "Basislager" angekommen, legten wir uns ermattet auf die Matten in unerer "Maison" und hofften auf bessere Zeiten! (Auch Lenz litt am "Morbus Glucksus" auch wenn nicht so heftig wie ich) Irgendwann rafften wir uns auf und baten den Bruder von Said jenen von Tagounite herkommen zu lassen, um uns mit dem wohlbekannten Peugeot zurück in die Zivilisation zu befördern, da wir uns für die Nacht nichts sehnlicher wuenschten als ein WC (das den Namen auch verdient) und eine funktionierende Dusche!
Nach einer längeren Zeit kam Zaid auch tatsaechlich und wir konnten uns gegen fünf Uhr in Tagounite in ein grand Taxi quetschen, das uns - und auf dem Dach unsere Velos - nach Zagora ins Hotel Fibule du Drâa brachte. Das Hotel hatten wir auf der Hinreise schon besucht. Im Taxi kamen wir mit zwei Jungs aus Paris ins Gespräch, die auch fünf Tage in der Wüste verbracht hatten, jedoch direkt nach Marrakech fuhren und zurück nach Paris fliegen mussten. Schliesslich angekommen richteten wir uns im Hotelzimmer ein und genossen ausgiebig die Dusche und die europaeische Toilette...

17.11.06

Sahara; Teil zwei: Oued und Duenen

Die Wueste darf man sich keines Falles als eine total einsame und zivilisationslose Ebene vorstellen. Jede halbe Stunde faehrt ein Gelaendewagen vorbei, der die Umgebung grosszuegig mit den Hits der arabischen Musikwelt beschallt (oder noch schlimmer, der europaeischen Hitliste!) und hinten eine Ladung Touristen geladen hat, die mit ihren magischen Apparaturen jedes Sandkorn in einen elekronischen Kode verwandeln. Auch die Plastikindustrie hat hier ihre Werbeprodukte verteilt, die beweisen; Plastik haelt ewig!

Am Morgen des 12.11 assen wir gemeinsam mit Ibrahim im Champ des Juifs, waehrend Said und Zeid die Dromedare beluden. Gleich darauf kam ein franzoesisches Paar aus der Wueste zurueck und sie erzaehlten begeistert von ihrer zweitaegigen Reise mit den Dromedaren. Zum Schluss tauschten wir sogar die Adressen aus.

Der erste Tag in der Wueste begann ziemlich spaet gegen elf Uhr. Zuerst fuehrte uns Zeid, unser Fuehrer, durch die Duenen des Champ des Juifs. Danach ueberquerten wir eine kleine Steinwueste, ein Feld bedeckt mit Sand und schwarzem Steinschotter, wie wir noch viele sehen sollten. Zum Anfang hatten wir ziemlichen Respekt vor den Dromedaren.
Es folgt jetzt ein kurzer Exkurs ueber diese bizarren Wesen:

Dromedare (Gattung der Trampeltiere, ausrangiertes Relikt der Dinosaurier, das die Wueste dem langsamen Prozess der Fossilisation gleich vorgezogen hat.)
Die Vierbeiner sind etwa 2.30 m gross und mit einem massigen Rumpf versehen. Auf dem langen Hals befindet sich der imposante Schaedel mit den grossen vorstehenden Augen mit den langen Wimpern, der komischen Nase und dem langen Kiefer, der so stark ist, dass ein Dromedar damit Knochen brechen kann (Was unser Dromedar tatsaechlich bereits getan hat, es brach einem friedlich fressenden Mitdromedar die Beine und verschlang anschliessen dessen Futter...).
Der Hoecker und die langen Beine sind die Kennzeichen des Dromedars. Sie haben keine Hufe, sondern filzartige Sohlen, die sich hervorragend fuer sandige Flaechen eignen. Dromedare legen sich zum Schlafen auf den Boden, weshalb alle Teile, die die Erde beruehren (am Bauch, Knie, Knoechel), durch eine lederartige Haut geschuetzt werden. Zum Schluss ist noch der Schwanz mit den schwarzen Borstenhaaren zu erwaehnen, der dauernd hin und her schwingt um Fliegen zu vertreiben. Ein Dromedar kann 60l trinken und anschliessend etwa eine Woche ohne Wasser auskommen.

Auch die Geraeusche, die die Dromedare hervorbrachten, waren aeusserst ungewohnt und respekteinfloessend. Zeid fuehrte uns zum Oued Naam und wir folgten dem ausgetrockneten, von Tamarisken gesaeumten Flusslauf. Um zwei Uhr schlugen wir unser Lager unter einer grossen Tamariske auf. Zuerst legten wir Teppiche und Matten aus, dann wurde Gruentee mit viel Zucker aufgesetzt, denn so ist es Tradition bei den Nomaden.
Nachher stellten wir das Kochzelt auf und machten es uns bequem. Zeid machte einen Salat aus Tomaten, Zwiebeln, Gurken, Peperoni und scharf gewuerztem Fisch aus der Konservendose.
Wir mussten noch Wasser holen und ich (Lenz) beschloss mitzugehen und zwar auf dem Dromedar reitend. Als ich auf das Dromedar stieg, stellte ich mir einen ruhigen Wasserlauf vor, in welchem das Wasser plaetschert und ganz ruhig fliesst und fliesst. Es wirkte, ich war wirklich verhaeltnismaessig entspannt als sich das Dromedar mit abgehackten Bewegungen aufrichtete. Einmal oben ist es ein tolles Gefuehl. Ganz entspannt reitet sich ein Dromedar am besten. Der Oberkoerper wippt im Takt der Schritte nach vorne und das Gesaess macht wellenartige Bewegungen. Um dem Dromedar zu helfen schaukelte ich mit den Fuessen und glich dadurch das Gewicht aus. Der Versuch aber das Dromedar zu lenken, scheiterte klaeglich. Diese Viecher sind extrem stur und sehr eigenwillig. Sie machen nur, was sie wollen. Zum Glueck lief mein Dromedar zufaellig in die richtige Richtung...
Nachdem wir Wasser geholt hatten, es dauerte ungefaehr eine Stunde und Mattho schien sich auf dem Teppichlager bereits wie Zuhause zu fuehlen, bereitete Zeid das Abendessen vor (Tajine). Es war sehr schoen am Feuer zu sitzen, die kuehle Nacht zu geniessen und ab und zu ein paar Worte zu wechseln. Der Himmel blankgewischt, ohne Wolken und die Sterne wie glitzernde Diamanten, zum Greifen nahe.
Man erkannte sogar den Planetennebel der Milchstrasse (Es koennte auch das Abgas eines Flugzeuges gewesen sein, in Sachen Astronomie bin ich eine Null, aber es sah jedenfalls ganz niedlich aus!). Zeid legte sich zum Schlafen ins Zelt, waehrend wir unsere Schlafsaecke unter dem funkelnden Firmament ausrollten und uns fest in unsere Decken und Kleidern einmummten.

Der zweite Tag war wesentlich anstrengender. Wir legten wieder etwa 15 KM zurueck, aber der Weg durch die Steinwueste erschoepfte uns voellig. Zwar machten wir eine Rast, doch nuetzte dies nicht viel. Wir sahen sogar unsere erste Fatamorgana, das Alpamare von Pfaeffikon!!! Nein, wir sahen einen See, der durch das Flimmern der Luft entstand. Gegen halb fuenf erreichten wir den Lagerplatz, der in den Auslaeufern einiger hoher Sandduenen lag. Die Wueste ist wie ein grosser Sandkasten, man kann gar nicht anders, als damit spielen zu wollen. Wir tollten so richtig im Sand rum. Schwimmen, absaufen, verdursten, ach es gibt so vieles, was man ausprobieren kann!!
Nachher meldeten wir uns freiwillig zum Wasser holen, da ueberall Sand an uns klebte und wir unbedingt duschen wollten. Zeid zeigte uns den Weg zum Brunnen, wo wir uns gegenseitig mit Wasser uebergossen, doch der Sand war nicht vollstaendig abzuwaschen. Es war bereits dunkel, als wir uns mit den gefuellten Wasserbehaeltern zum Lagerplatz aufmachten. Schnell merkten wir, dass man in der Wueste ohne Licht und GPS verloren ist. Wir schlugen eine ungefaehre Route ein, doch bald fuerchteten wir uns zu verlaufen. So begannen wir, Zeid, zu rufen. Tatsaechlich blinkte wenig spaeter in der Ferne eine Taschenlampe und wir waren unglaublich erleichtert, als wir das Zelt schliesslich erreichten. Zum Abendessen gab es Spagetthi, die wir mit Heisshunger vernichteten. Es wurde schnell extrem kalt und wir kleideten uns in Thermowaesche, bevor wir uns in die Schlafsaecke wickelten. Obwohl wir zusaetzliche Decken hatten, fror ich (Lenz). Die Nacht war wieder so klar wie die letzte.

Sahara; Teil eins: Wie alles begann...

Fast eine Woche ist vergangen, seit keine Nachricht mehr von uns die Menscheit erreicht hat. (Was auch keinen wundert, denn die Menschheit interessiert sich einen Dreck um uns, sie denkt die ganze Zeit an ihre Faceliftings und Fettabsaugungen...) Die Zeit ist fuer uns stehengeblieben. Wir lesen die Uhrzeit anhand des Standes der Sonne, gehen beim Eindunkeln schlafen und wissen weder welchen Wochentag wir haben, noch das Datum.

Na ja, auf jeden Fall war es bis vor Kurzem so, ich meine, am Bildschirmrand unten kann ich die Zeit ablesen und auch mein Handys strahlt wieder froehlich vor sich hin...

Es war eine anstrengende Zeit in der Wueste. Tatsaechlich werden wir spaeter sicherlich davon schwaermen, aber das sind wohl die Beschoenigungen der Erinnerung... die man bis zu einem gewissen Volumen so gerne legitimiert, weil sie so suess sind und die Enkelkinder dann staunen werden, was ihr Grossvater doch fuer ein toller Kerl ist (waere).
(Anmerkung der CO-Redaktion; Matthias: ich für meinen Teil habe ein derart schwaches Gedächtnis, dass ich schon jetzt bereit bin davon zu schwärmen- jedenfalls für Bestimmte Teile des Erlebten!)
(Anmerkung des anderen Teils der CO-Redaktion; Lenz: Mattho hat recht. Mann, was fuer Abenteuer haben wir erlebt!!! (Vor allem als ich die Klapperschlange erwuergte und gegen ein verirrtes Lama aus dem Himalaya einen Spuckwettbewerb verlor) Aber auch sonst haben wir sehr schoene Momente erlebt!)



Teil eins:
Eine Reiseagentur zu finden ist nicht schwer. Man setze sich in ein Cafe und alles weitere ergibt sich von selbst. Ein sympathischer Mann setzt sich hinzu. Es wird Tee bestellt, er leiert in makelosem Franzoesisch tiefergehende Einleitungssaetze. Sobald er ins Stocken kommt und wieder groebere Fremdsprache gesprochen wird, weiss man, jetzt kommt die entscheidende Frage: "Habt ihr schon jemanden, mit dem ihr in die Wueste fahrt?"

Leider hatten wir bereits eine vertrauenswuerdig scheinende Adresse von Ibrahim bekommen, so dass wir jeweils nur in den Genuss des Vorspiels kamen, aber den Rest kann man sich denken.
Um 6.30 fuhren wir per Velo in Zagora ab. Nach einer Stunde Fahrt telefonierten wir Said, der uns in spaeter in Tagounite abholen sollte. Die 70KM lange Strecke bewältigten wir trotz Gegenwind mit Bravour. In Tagounite setzten wir uns in ein Cafe und harrten der Dinge die da kommen sollten. Nach einem Moment (dieser Begriff; Moment ist in Afrika dehnbar, hier war es jedoch ein kürzerer Moment) ist dann auch wirklich Said - ein Bruder Ibrahims mit einem kleinen weissen Peugeot (wie man ihn in Europa garantiert nirgends mehr sieht) aufgetaucht, jedoch sogleich wieder verschwunden, um, wie er sagte, Geschäfte zu erledigen. Daraufhin ist er nach einem längeren Moment, in dem wir Zeit gehabt hatten eine Gemüse-Tajine zu geniessen (Gemüse, da insbesondere mein Magen wieder einmal ein Gewitterrumpeln vernehmen liess) wieder aufgetaucht. Bald ist dann auch unser Freund Ibrahim erschienen und hat uns nach endlosen Fragen "ça va bien?'' erklährt, dass wir uns in ''nôtre maison'' gehen würden um dort in aller Ruhe unsere Reise zu besprechen. Es stellte sich heraus, dass ''notre maison'' 20 km südlich von Tagounite liegt und dass wir dorthin am besten mit den Velos gelangen würden. Sie packten dann unsere Siebensachen auf des Peugeot's Dach und liessen uns vorausfahren. Wir gelangten in Höchsttempo bis zu einem Hügelzug, der wie sich später zeigte die Wüste vom Rest Marokkos abtrennt. Mühelos schwangen wir uns darüber hinweg und versuchten dann auf einer Piste dem weissen Peugeot, der uns unterdessen überholt hatte, zu folgen. Als wir endlich einige schwarze Punkte in der Ferne als Zelte erraten konnten, hatten wir das Auto längst aus dem Blick verloren. Bei den Zelten angekommen, wurden wir in ein kleines Zelt - ''notre maison'' - geführt. Dort wurden wir nach einem Moment mit dem omnipräsenten ''Whisky Berbere'' - dem starken The a la mente - bewirtet. Bei den Palavern, die darauf folgten, einigten wir uns auf vier Tage Wüste per Dromadaire (auch uituit - 8x8 genannt) und einem Tag ''gadrgadr'' (4x4 - Geländefahrzeug) und legten den Preis fest 350DH pro Dromedar-Tag und 1300DH für den 4x4-Tag. Wir sind unterdessen zu der Einsicht gekommen, dass das wirklich ein ''bon prix, par ce que vous etes bons amis'' gewesen ist, allerdings war dann auch die Reise in einigen Punkten entsprechend...

10.11.06

Agdz-Zagora

Wir kommen der Wüste immer näher! Auch gestern sind wir nach dem Aufbruch in Agdz kräftig gegen den Wind pedalt. Abends aenderte sich die Windrichtung, wodurch wir plötzlich statt mit 13KM/h mit 30KM/h unterwegs waren!

Die Strecke führt durch das Vallée du Dràa, bekannt als das Tal der Datteln.
Auf dem breiten Talgrund, wo das spärliche Wasser des Oued du Dràa vor sich hin dümpelt, wachsen Tausende von Palmen und die meisten tragen Dattel.
Talaufwärts, in der Nähe von Ouarzazate, wurde vor einigen Jahren eine Staumauer gebaut, um Elektrizität zu gewinnen und einen Golfplatz zu bewaessern.
Es folgte, dass viele Gärten und Palmeraie (Palmhaine) verdorrten, da das Wasser nur noch 24 Stunden pro Woche fliesst. Die Landschaft hat dadurch aber keineswegs an Schönheit eingebüsst und wir haben die Fahrt, abwechslungsweise im Windschatten, sehr genossen!
Das Wetter war ebenfalls um einiges besser als am Vortag und entsprach unserer Vorstellung von Wüste bereits viel eher; Blauer Himmel und ein Horizont, der grösser und grösser wird, je weiter man das Tal entlang faehrt.
So um fuenf Uhr, wir hatten ca. 60KM zurueckgelegt, fanden wir uns ploetzlich von einer johlenden Schar Kinder umringt, die mit dem Velo von der Schule nach Hause fuhr. Einige grabschten nach den festgezurrten Taschen auf dem Gepaecktraeger und sie waren auch sonst aeusserst frech. Unbewusst erhoehten wir das Tempo, was die Jungs begeistert als Herausforderung zu einem Rennen aufnahmen. Die naechsten drei KM wurden zum Schauplatz eines verbissenen Kampfes, den wir dank der besseren Kraftuebertragung der Achsen auf unsere Raeder und dem enormen Leistungspotential unserer grossen Muskeln siegreich ueberstanden.
Anschliessend waren wir ausgelaugt und bewegten uns langsamer fort.
Nach einiger Zeit wurde uns plötzlich bewusst, dass unsere Schatten schon eine beachtliche Länge erreicht hatten, beziehungsweise dass es langsam Zeit wurde sich nach einer Schlafgelegenheit umzusehen...
Ibrahim (Unser neuer Freund in Agdz) hatte uns ein Riad empfohlen, das aber noch 13KM entfernt lag. Die Auberges an der Strasse, die mit kaum entzifferbarem Gekrizel angeschrieben waren, erweckten nicht unbedingt einen sehr einladenden Eindruck, weshalb wir weiter fuhren.
Die Sonne war fast untergegangen und spendete gerade noch genügend Licht.
Bei Kilometer 75 (Beziehungsweise 0 - ich hatte begonnen den Countdown zu zählen...) kamen wir endlich beim Hotel in Malal an.
Dankbar für den sehr gepflegten und luxurioesen Riad erkundigten wir uns erst nach dem Preis, als wir bereits im Zimmer standen: 600DH mit Halbpension -bisher unsere teuerste Übernachtung (ungefaehr 45SFR pro Person). Die gastfreundliche Bedienung, das gepflegte Zimmer und das grosszügige Nachtessen rechtfertigten jedoch den Preis.
Am Morgen, um halb sieben Uhr, drehten wir mit Baba (Einer der Besitzer) eine Runde durch die Palmeraie, besichtigten ihren Garten und spazierten bis zum "Fluss" (furztrocken...). Nach einem guten Frühstück reisten wir mit unseren "Mobilhomes" weiter nach Zagora - das nach unserer langen Fahrt am Vortag nur noch 17km entfernt lag.

8.11.06

Telouet-Ouarzazate-Agdz

Nun ja, wir sind etwas ins Hintertreffen geraten, mit unserem Bericht (insbesondere, da der PC in Ouarzazate einen Bericht nicht gespeichert hatte...). Deshalb hier eine kurze Nacherzählung des Erlebten: Von Telouet sind wir dem Teersträsschen weiter gefolgt, bis es aufgehört hat ein Teersträsschen zu sein. Dort wurde es zur Piste. (Piste für all diejenigen, die das noch nicht erlebt haben; Schüttelangelegenheit, die man nur mit viiiiel Zeit erledigen kann!) Aber das Tal -total abgelegen und abgesehen von einigen Touristen-Jeepkonvois nur von einigen Bauerndörfern belebt - ist mit seinen Steinformationen, der Canyonmässigen Schlucht und dem grünen Streifen am Talgrund absolut eine Schütteltour wert!!! (Einige Touristen wollten gerne ihre Plätze im Jeep gegen die Velos tauschen -es sei wohl komfortabler selber zu fahren...)

Gegen Abend wollten wir unser Zelt neben einem Acker aufzustellen, aber es kam anders, einige Einheimische, die eben jenes Feld bestellten, luden uns ein (Wie insgeheim gehofft...) bei ihnen zu übernachten. Nachdem sie uns versicherten, dass der Esel das Gepäck den mörderischen Weg in die Schlucht hinuntertragen wuerde, nahmen wir die Einladung dankend an.
Das arme Tier stuerzte mehrmals beinahe hinunter! Wir wurden in der Familie bestens versorgt. Sie war aeussest zuvorkommend aber ohne anstrengend zu werden.
Es waren wirklich sehr interessante Begegnungen, auch wenn wir nur mit einem der Söhne ein wenig Französisch sprechen konnten.
Am naechsten Morgen ratterten wir auf unserer Piste weiter und ueberquerten mehrere Furten. Schliesslich-wow, was für ein Gefühl - landeten wir wieder auf einer asphaltierten Strasse. Diese befoerderte uns mitHöchsttempo bis zur Hauptstrasse und nach einem kleineren Hügel, den wir mit Elan in Angriff nahmen, weiter bis nach Ouarzazate.

In Ouarzazate (Sollte all jenigen, die sich für Filme interessieren, ein Begriff sein!) liessen wir uns in einem gemütlichen 100DH-Hotel nieder.
Ouarzazate ist aufgrund der Filmindustrie (Es wird ein zweites Holliwood angestrebt!) zwar reich und modern, büsst aber die marokkanische Autentizität ein und ist auf bestem Weg ein zwar internationaler, aber nicht mehr wirklich interessanter Ort zu werden.
Um etwas marokkotypische Luft zu schnappen (und um günstig zu essen) muss man sich von der Hauptstrasse entfernen und sich in das Industrie-Quartier begeben. Denn dort findet man zahlreiche Holzwerkstätten (schöne Möbel und Gebrauchsgegenstände), Autogaragen, kleine Cafes und Restaurants, wo man gut, viel und extrem günstig essen kann.
Diese freundliche Kehrseite von Ouarzazate lernten wir erst durch Ahmed kennen, der als Filmdekorateur arbeitet. An seine Adresse gelangten wir durch einen Freund von Lis namens Abdul. Ahmed hatte bereits viele Jahre in Europa gearbeitet und ist nun in Ouarzazate als Unternehmer taetig.
Er empfing uns sehr herzlich und bedauerte nach dem Nachtessen, dass wir schon am nächsten Tag aufbrechen wollten, da er uns gerne einige Highlits von Ouarzazate gezeigt haette...

Aber so ist das Leben, wenn man reist; Man macht Bekanntschaften, um einige Stunden später (manchmal Minuten) wieder Abschied zu nehmen...

Der nächste Tag, war einer der anstrengenderen Velo-Tage: Wir fuhren 65km gegen einen starken Wind (Wir schaetzten ihn auf 35KM/h), der uns aus der Sahara entgegenwehte.
Vor allem der Wind setzte uns körperlich und psychisch stark zu. Bei solchen Bedingungen kann man die eigene Leistung nur schlecht einschaetzen und es ist deprimierend auf einer geraden Strecke bloss 13 KM pro Stunde zu fahren! Umso mehr freuten wir uns über das ausserordentlich saubere Hotelzimmer in Agdz! (Hotel des Palmies; 200DH)

In Agdz schlossen wir dieBekantschaft mit Ibrahim: Beim Nachtessen in einem eher unscheinbaren Cafe, wo sich die Einheimischen trafen, wurden wir von einem ausgesprochen freundlichen Herrn bedient. Nach dem Essen setzte er sich zu uns und plauderte mit uns.
Lenz wurde auf eine Verletzung an seiner rechten Hand aufmerksam und fragte nach der Ursache der Wunde; Eine alltägliche Sache: kleiner Unfall mit dem Velo gegen einen kleinen Töff... (...und todsicher ohne Helm!) Die Wunde sah recht unappetitlich aus und schien nicht richtig versorgt zu sein. Lenz, der schon Erfahrung mit Wunden zu haben schien, bot ihm an, die Hand richtig zu versorgen. Daher lud uns Ibrahim in seine kleine Boutique ein, wo wir mit obligatem Tee eine länger Zeit verweilten. Das Resultat unseres Besuches, war eine wohlverbundene Hand seinerseits - und einem Kontakt für Kameltrekking mit der Familie Ibrahim's unsererseits (Ausserdem noch etwas, das ich noch geheimhalten möchte ;-)

Am folgenden Tag fuhren wir nach einer Besichtigung des Suq (Markt, zweimal in der Woche), wo wir alles von Esel bis Chinesischen Kleinradios hätten kaufen können, weiter auf zu neuen Velo-Kilometern.

6.11.06

Marrakech - Telouet

Die Autos, die Gluehbirnen, die Schlagloecher im Asphalt, sie alle schlafen tief. Ein wohliges Schnarchen hat sich ueber ganz Marokko gelegt. Ab und zu gaehnt es traege (Erstaunlich, aber anscheinend kann das Schnarchen gaehnen!). Auf einer Strasse jedoch, ungefaehr um 6.30 Uhr fruehmorgens, bewegen sich zwei quietschende Maschinen.

Ihre halbintelligenten Kraftstoffmischungen, die sie oben gelagert halten und die sie fortwaerend mit neuer Energie fuettern, treiben sie an, um langsam die Haenge des Hohen Atlas zu erklimmen.

Es ist herrlich in der Daemmerung zu fahren. Die Luft ist angenehm kuehl und es hat fast keinen Verkehr. Zuerst fuehrt die Strasse durch langsam aufsteigende Taeler in Richtung Westen vorbei an den Gemuesegaerten, die sich entlang des Flusslaufs ausdehnen und aufgeforstetern Pinienwaeldern. Man steigt waehrend dreissig KM Meter um Meter bis man die erste Vorgebirgsstufe ueberwunden hat und eine wunderschoene Aussicht auf die Ebene hat.
Es folgt ein Strassenabschnitt entlang steil abfallender, bewaldeter Gebirgshaenge. Unten im Tal erkennt man kleine Siedlungen aus den typischen roten Backsteinen aus Lehm und Stroh.
Die Route schaengelt sich hin bis zu den hohen Bergketten des hohen Atlas, welche zum Teil bereits eine weisse Kappe aus Schnee tragen. Die Temperatur ist jedoch angenehm (4. November) und die ganze Strecke ist noch frei von Schnee. Ab Ait Barka verlaeuft die Strasse durch ein kurviges Tal, dessen Seiten von Felswaenden verschiedenster Farbtoene von grau ueber rot und weiss bis schwarz begrenzt sind. Das Wetter ist immer noch gut und es hat so gut wie keinen Wind. Das Fahrtempo ist hoch. Gegen ein Uhr machen wir Rast in einem stilvollen Restaurant europaeischen Standards und essen eine Gemuesetajine, da wir unseren Verdauungsapperat schonen muessen (Immer wieder ein bisschen Bauchweh oder fluessigen Stuhlgang). Der Preis fuers Essen ist hoch, aber angemessen. Die Sicht von der Terasse auf die enganliegenden Haeuser entlang der Talwaende ist fenomenal. Die Strecke ist bis Taddert gut asphaltiert. Taddert ist der letzte groessere Ort mit Uebernachtungsmoeglichkeit vor der Passhoehe von 2260m, dem Tizi-n-Tschika. Obwohl wir muede sind, entscheiden wir uns weiterzufahren. In Serpetinen steigt man langsam die Flanken des Berges herauf. Diese Passage wird bald verschneit sein. Auf der abfallenden Seite befinden sich eingeschlagene Stahltraeger, um bei Schnee den Weg zu markieren. Die Kurven und die duenne Luft machen uns Muehe, wir brauchen viele Pausen. Die Konzentration ist sehr wichtig um den Koerper zu kontrollieren und sich so zu verhalten, damit der Koerper nicht ueberlastet wird. Nach dem gefaehrlichen Aufstieg steigt der Berg langsamer an. Wir haben erste Schwindelgefuehle, wir wissen, dass wir so bald als moeglich halten sollten, aber immer noch kein Pass in Sicht.

Mit letzten Kraeften ueberwinden wir die Steigung bis zum Grat und lassen uns vom Velo fallen. Sofort kommen freundliche Berber und helfen uns. Wir wechseln die Kleidung und ziehen uns warm an, waehrend ein Berber Reis mit Tomatensauce zubereitet. Man ruht sich aus, isst und trinkt gierig den warmen Tee, waehrend die Berber unaufhoerlich schwatzen, obwohl man liebend gerne schweigen wuerde und nicht mehr denken moechte.
Es ist fuenf Uhr und es dunkelt bereits ein bisschen. Wir beraten die Rute und beschliessen noch 24KM bis Telouet zurueckzulegen, da wir faelschlicherweise annehmen, dass man bloss bergab zu fahren braucht.
Bis KM 111 stimmt es tatsaechlich auch und wir haben eine atemberaubende Sicht ueber eine roetliche Gebirgskette, die aus einem Winnetoufilm stammen koennte, die sich bis in den Horizont hinzieht. Wir biegen von der Hauptstrasse auf die Nebenstrasse ab, die durch ein Seitental nach Telouet fuehrt.
Nach fuenf KM erreichen wir den Talgrund und fahren entlang des Flusses (Fluss auf arabisch = Oued) durch kleinere Ortschaften. Es daemmert und wird schliesslich dunkel. Da sich keine Uebernachtungsmoeglichkeit bietet, befestigen wir die Positionslichter, Matthias schaltet den Dynamo an und wir fahren weiter. Immer wieder gibt es laengere Steigungen, die uns den letzten Atem kosten. Keine Kraftreserven mehr und duenne Luft, das Tal befindet sich auf 1800m! Wir kommen schnell ausser Atem und es ist nunmehr stockfinster geworden.
Ploetzlich bremst Matthias ab; Eine Bruecke vor uns ist eingestuerzt; Keine Warnsignale, keine Barriere, einfach ein Loch im Dunkel. Wir nehmen Taschenlampen. Matthias inspiziert die Stelle, man denkt, Ueberquerung sei moeglich, man sollte aber die Gepaeckstuecke einzeln hinueber transportieren. Ploetzlich hoeren wir Rufe in der Ferne. Wir warten ab. Zwei eingemummte Gestalten mit Gewehren schaelen sich aus dem Dunkel der Nacht. "Salam! Vous pouvez nous aider?" Zuerst keine Antwort. Als sie schliesslich in gebrochenem Franzoesisch anfangen zu reden, stellt sich heraus, dass sie zwei Jaeger auf dem Wege nach Hause sind. Alle Angst ist total verflogegen... Ach! Eigentlich hatten wir gar keine Angst! Mann, war doch sonnenklar, dass das keine Raeuber sind! Wir sind doch aus haerterem Holz geschnitzt!

Die Jaeger erklaeren uns, dass es eine Umfahrungsstrasse (une route deviee) gibt. Wir danken herzlich und schieben die Velos, bis wir wieder auf die Asphaltstrasse stossen.
Noch fuenf KM. Fuenf Kilometer durch die Nacht und am Rande der Erschoepfung. Trotzdem haben wir den Humor noch nicht verloren und freuen uns ueber jedes Anzeichen von moeglicher Zivilisation oder verfluchen den verdammten Tachometer, der laengsaemer kriecht als eine Schildkroete mit gebrochenen Beinen, die zusaetzlich vier Bleikugeln ziehen muss.
In der Entfernung hoeren wir die Musik eines Festes, wir beginnen zu hoffen.

Telouet. Endlich Telouet. Wir haben all unsere Kraftreserven ausgeschoepft. Wir muessen das Rad die letzten hundert Meter schieben. Sofort wollen uns die Einheimischen zu einem Hotel fuehren, wir beharren aber auf der Adresse, dem Hotel Lion d'Or, die uns vorher ein Autofahrer gegeben hatte. Schliesslich bringt uns ein junger Mann, der, wie man im Gespraech erfaehrt, Ibrahim heisst, zum Hotel. Er sichert sich unterwegs eine Fuehrung durch die Kasbah, die der Familie der Glaoui gehoert hatte und aeusserst sehenswert ist. Der Inhaber des Hotels, Mustafa, ist sehr freundlich und gleitet uns zum Essen in einen behaglichen Raum mit Terasse, wo er uns Kissen und Decken gibt, die wir dankend annehmen. Ibrahim setzt sich zu uns und spendiert uns einen Pfefferminztee (Naa-Naa), anscheinend ist sich das Raubtier seiner Beute noch nicht ganz sicher... Das Essen jedoch ist gut und es gibt auch genuegend um satt zu werden. Muede schleppen wir uns zum Zimmer, Mustafa ist so nett, dass er fast muehsam wird. Die Betten sind nicht sauber und die Toilette sind keine 200DH wert (Schimmel, dreckiger Toilettendeckel, kein warmes Wasser und dreckiges WC-Papier). Aber uns ist das total egal, wir wechseln die Kleidung, putzen die Zaehne und wickeln uns in die Laken. Wir schlafen bald ein, doch es ist ein unruhiger Schlaf voller Alptraeume.